Nordost-Indien 2019

… und was ist mit Tee?

Arme Familien mit Genossenschaftsmodell von Teegärten unterstützen

Weiter geht es von Itanagar über die vom Militär bewachte Grenze des Bundesstaates Arunachal Pradesh zurück in den Bundesstaat Assam und die Diözese Tezpur. Sie hat 33 Pfarreien mit je etwa. 40 Außenstationen mit bis zu 20.000 und mehr Katholiken. Die Außenstationen werden von einem Katechetenteam geleitet, dem fünf Laien angehören. Sie werden von der Gemeinschaft vor Ort für fünf Jahre gewählt.

In der Diözese Tezpur besucht die Reisegruppe aus Deutschland ein diözesanes Teeprojekt, das 2018 den Internationalen Preis für den besten Schwarztee-Geschmack erhalten hat. Nachträglich auch an dieser Stelle nochmals: Herzlichen Glückwunsch!

Die Grundidee des Projektes ist, arme Familien in einem Genossenschaftsmodell zu unterstützen. Father Sebastian, der Generalvikar der Diözese, hat das Projekt in Gang gesetzt. Er führt Schritt für Schritt durch den Entwicklungsprozess der Teeherstellung.
F. Sebastian sagt: „Wir trinken immer eine Tasse Tee, wenn wir müde werden. Das belebt uns neu.“ Der Slogan des Mädchens auf dem Plakat am Eingang zur Fabrikhalle sagt zudem in „Hindi-Sprache“: Tee reinigt die Seele!

Das verdeutlicht die Bedeutung des Tees in der Region.

Die Teeherstellung

Erster Schritt: Teeanbau durch Familien

    Verbunden mit dem Projekt sind heute 2.200 kleine Teegärten und damit ebenso viele Familien. Die Familien schließen sich zusammen und bringen den Tee zur Fabrik. Brachland für die Teegärten wurde den Familien zur Verfügung gestellt. Die Flächen sind bis zu einem Hektar groß. Die Tee-Qualität der kleinen Familien-Gärten ist besser als die von den Großplantagen.

Zweiter Schritt: Verarbeitung in der Teefabrik der Diözese

    Die Familien bringen den gepflückten Tee zur Fabrik. Dort wird er gewogen und quittiert. Die Fabrik der Diözese gibt für den Rohtee zwei Rupies mehr pro Kilogramm als die Großplantagen. Fünf Kilogramm Rohtee werden für ein Kilogramm Tee benötigt. Die Teeblätter werden acht Stunden lang angetrocknet, mit einem Gebläse wird Feuchtigkeit entzogen. Bei Regen wird eine beheizbare Trocknung verwendet. Ist der Tee getrocknet, wird er mehrfach zerkleinert und gemahlen. Bei der anschließenden erneuten Trocknung wechselt er seine Farbe. Die folgende Röstung geschieht bei 180 Grad. Am Ende des Prozesses entstehen verschiedene Qualitäten Tee und verschiedene Sorten: schwarzer und grüner Tee. Der beste Tee ist nach F. Sebastian der nicht erhitzte grüne Oolong Tee.

Dritter Schritt: Teevermarktung

    Der Tee wird in Säcken mit LKW nach Gujarat, Bombay und weiter ins ganze Land verkauft. Er wird dann dort gemixt mit Ernten aus anderen Regionen. Künftig ist auch eine Vermarktung außerhalb Indiens geplant.

Vierter Schritt: Gewinn unter den Familien teilen

    Der Gewinn der Diözesanfabrik wird am Ende, nach Abzug der Kosten, durch alle beteiligten Familien geteilt. Die Firma selbst macht keinen Gewinn. Erntezeit ist von Februar bis Dezember, sieben Stunden täglich.

Die Teepflanze:

Die Teepflanze braucht drei Jahre bis sie erntereif ist. Der Stamm wird mehrmals in etwa 20 Zentimetern Höhe über der Erde abgeschnitten. Dadurch verbreitet sich die Teepflanze. Sie braucht viel Wasser, Sonne und Schatten. Gespendet wird letzterer durch Bäume, die auf den Teefeldern gepflanzt werden.

Mit der Erntereife der Pflanze kann dann alle sechs Tage Tee gepflückt werden. Die Erntezeit ist im Jahr vom 27. Februar bis zum 10. Dezember.

Die Tee-Testung:

Nach dem Rundgang durch die Fabrik bot sich für die Gäste aus Deutschland die Möglichkeit, die verschiedenen Tees zu probieren. Dabei wird ein Teelöffel Tee zwei bis drei Minuten mit heißem Wasser aufgebrüht und dann durch ein Sieb gegossen. Getrunken wird er ohne oder mit einem Teelöffel Milch. „Eine tolle, neue Erfahrung“, waren sich alle einig.

Teepflücken auf Plantagen:

Ein Arbeitstag eines Teepflückers ist sieben Stunden lang. In dieser Zeit sollen 23 Kilogramm pro Person gepflückt werden. Nachmittags holt ein LKW den gepflückten Tee ab und wiegt das Pflückergebnis des Tages. Wenn mehr gepflückt wurde als das Tagessoll vorgibt, gibt es mehr Geld, sonst weniger. Frauen sind die besseren Pflücker: Gute Pflückerinnen schaffen pro Tag manchmal 30 bis 60 Kilogramm. Als Bezahlung erhalten die Teepflücker außer 140 Rupies am Tag (etwa 1,50 Euro) auch Unterkunft, Essen, Kleidung und medizinische Versorgung. Aktuell im Kommen sind kleine elektrische Erntegeräte der Chinesen mit Batterie auf dem Rücken; so werden weniger Pflücker gebraucht.

Besuche in den Bergpfarreien Mengio und Palin

„Payalincho“ (Danke) für diese Erfahrungen

Fast ans Ende der Welt ging es für die Reisegruppe aus Deutschland. In zwei kleiner Gruppen eingeteilt, besuchten sie zwei abgelegene Bergpfarreien: Mengio und Palin. Die Menschen, die dort leben gehören zum Volk der Nyishi.

Werner Meyer zum Farwig und Johannen Hunkenschröder sind in Mengio zu Gast, Hans-Georg Hollenhorst, Thomas Kamp-Deister und Christa Kortwinkel in Palin.

Soviel sei vorweg verraten: Alle waren sich nach der Rückkehr einig: Das war ein Erlebnis, das man nicht vergisst.

Werner Meyer zum Farwig schreibt:

Johannes und ich sind in Mengio. Fast am Ende der Welt. Danach kommen nur noch der Dschungel und die Grenze zu China. Fr. Sajan, ein 34- jähriger Ordenspriester aus Kerala, leitet die Gemeinde zusammen mit einem Assistenten. 3.000 Katholiken verteilt auf 17 Dörfer, die Outstations. Das sind weit verstreute schwer zugängliche Dörfer. Wir fahren zu einer dieser Outstations, nach Kiding. Hier fragt man nicht „wie viele Kilometer“, sondern „wie lange mag es dauern“. Wir brauchen knapp drei Stunden. Etwa 100 Menschen erwarten uns, 40 Familien leben hier. Johannes und ich erhalten typische Nyishi-Westen, so heißt der Stamm (Volksgruppe) hier. Vor der Messe hören die beiden Priester vor dem Kircheingang die Beichte ab und alle Bewohner kommen. Die anderen beten in der Zwischenzeit den Rosenkranz. Anschließend feiern wir Gottesdienst mit vielen Liedern und einer lebendigen Predigt.

Gollo Yakkum ist Mutter von vier Kindern und begrüßt uns im Namen der Gemeinde. Gollo ist hier Katechetin. Das Dorf hat sie gewählt. Ihr vertraut man. Sie leitet Beerdigungsfeiern, Wortgottesdienste und macht Hausbesuche. missio fördert die Aus- und Fortbildung von Laienkatecheten, Menschen wie Gollo.

Die Häuser vor Ort sind ganz aus Bambus gebaut und zum Teil an den Berghang, mitten in den Dschungel. Auch das ein Abenteuer.

Bewegt von der Gastfreundschaft und einer tiefen Freude am Glauben sagen wir „Payalincho“ – Danke.

Hans-Georg Hollenhorst berichtet tief beeindruckt:

Die Anreise von Itanagar bis Palin braucht den ganzen Tag (174 km in die Berge; 7 Stunden reine Fahrzeit).

Dort angekommen führt uns das Salesianerteam etwas in die Situation vor Ort ein. Wir erfahren, dass die Gemeinschaftssprache Hindi ist, untereinander aber eine eigene, ursprüngliche Sprache gesprochen wird. Beide Sprachen klingen für unsere europäischen Ohren außergewöhnlich, aber spannend und schön. „Albuaru“ heißt zum Beispiel „Guten Morgen“, „albe hato“ bedeutet „Guten Abend“ und „Payalincho“ heißt „Danke“.

In der Region gibt es nur wenige Hindus. Das ist außergewöhnlich für Indien. Die meisten Menschen gehören der katholischen Kirche an, aber es gibt auch Baptisten und Protestanten.

Von April bis September, und auch sonst, gibt es immer wieder Regen. Im Juni und Juli regnet es fast durchgängig. Dann ist die Region schwer zugänglich, weil aus den Bergen Wasser und Erde gespült wird und Wege nicht befahrbar sind.

Nationaltier des Bundesstaats Arunchal Pradesh ist der Mithum, eine Art Büffel. Die Tiere sind sehr friedlich und wertvoll. Einer ist etwa 50.000 Rupien wert – das sind rund 700 Euro.

„Holy Rosary Church“ erste Pfarrei der Region

Die Pfarrei „Holy Rosary Church“ in Palin war die erste Pfarrei in dieser Region und die zweite in der Diözese mit ehemals 159 Bergdörfern, die meistens nur über lange Fußwege erreichbar sind. Die Fläche war so groß wie 1/2 Deutschland. Inzwischen gibt es 5 Pfarreien, die jetzige in Palin noch immer mit 29 Bergdörfern. Eine weitere Teilung ist geplant.

Zum Team der Salesianerpatres vor Ort gehören Pfr. Manuel, Fr. John, Fr. Paulus und Br. Joseph. Es gibt auch zwei Schwesterngemeinschaften; neben den Mutter-Theresa-Schwestern auch Franziskanerinnen.

Wir erfahren nicht nur Dinge über die pastorale Arbeit vor Ort sondern auch ganz alltägliche Dinge, wie Preise auf dem Markt oder Lohnkosten: So kostet ein Hühnchen drei Euro, ebenso ein großer Fisch. Eine Tasse Tee ist für 30 Cent zu haben.

Ein Tag Arbeit, zum Beispiel bei einem Hausbau, kostet vier Euro. Ein Lehrer an einer Katholischen Schule verdient 100 Euro und wohnt frei. Mietwohnungen gibt es indes nur in der Stadt, auf dem Dorf baut jeder irgendwie selbst.

Reflexion: Besuch anrührend und herausfordernd

Die Zeit in den Bergpfarreien hat alle Mitglieder der Reisegruppe nachhaltig beeindruckt.

Thomas Kamp-Deister sagt:

    „Die charismatische Ausstrahlung von Pfarrer Manuel hat mich sehr beeindruckt. Ebenso die Schülerinnen vor Ort. Sie haben unendlich viel Power. Das zeigt die Stärke dieser jungen Kirche. Wir haben in unserer Zeit in Nordost-Indien sehr offene und gastfreundliche Häuser und Menschen überall getroffen. Nahezu überall gibt es Gästezimmer für Durchreisende. Und trotzdem hält die Konsumgesellschaft Einzug; Welten prallen aufeinander.“

Christa Kortwinkel berichtet:

    „Die Freundlichkeit und Euphorie der Kinder und Patres ist mitreißend, man lässt sich schnell anstecken. Auf den ersten Blick ist das Leben in den Bergpfarreien, in denen die Abgeschiedenheit förmlich greifbar ist, schon sehr ärmlich. Ich bin ganz ehrlich wenn ich sage, dass es schon Ängste bei uns allen gab, ob wir wohl im Zeitplan zurückkommen angesichts der seifigen, matschigen Straßen.“

Hans-Georg Hollenhorst reflektiert:

    „Wir sind Menschen begegnet, die vor Lebensfreude sprühen. Dadurch, dass eine Priorität auf der Bildung für die Kinder liegt, wird eine Zukunft der Gesellschaft vor Ort gesichert. Wir erleben eine sehr offene, junge Kirche. Die katholischen Schulen sind immer Internate, Mädchen und Jungen besuchen sie getrennt. Eine besondere Herausforderung sind die Infrastruktur – insbesondere die Straßen – und die Kommunikation: Es gibt in Palin erst seit zwei Jahren Strom, ab und zu einen sehr langsamen Internetzugang. Mir stellt sich die Frage, wie sich das Leben hier wohl weiterentwickeln wird?“

Station im Dorf Yangte

Nach drei Stunden Fahrt ist die Gruppe von Hans-Georg Hollenhorst, Christa Kortwinkel und Thomas Kamp-Deister im Dorf Yangte angekommen.

Zuvor hatte Pfarrer Manuel in Palin eine kure Info gegeben über diesen abgelegen Ort: In Dörfern wie Yangte, die meist nur zu Fuß erreichbar sind, leben 10 bis 20 Familien. Deren Leben ist einfach und besteht aus aufwachen, Feldarbeit, kochen und schlafen. Bis vor Kurzem gab es weder Fernsehen noch Handys. Einzige Abwechselung ist Alkohol – das ist fatal, zerstört er doch viele Familien.

Viele der Dorfbewohner haben noch nie die kleine Stadt Palin gesehen, oder einen Bus oder einen Zug. – Alkohol als einzige Abwechslung; zerstört Familien …

Wie versuchen die Patres die Menschen in den Dörfern zu erreichen?

Die Patres touren manchmal mit dem Auto, oft und in der Regel aber zu Fuß durch die Dörfer, reden, diskutieren, beten mit den Menschen vor Ort, übernachten bei Ihnen. Eine Tour dauert zehn Tage, es gibt eine Checkliste, was mitzunehmen ist.

In jedem Dorf gibt es ein Katechetenteam; einen Mann und eine Frau, die Sonntags einen kleinen Gottesdienst leiten, da in der Regel keiner der Patres vor Ort sein kann. Ein Mal im Jahr sind alle Katechet/-innen für drei Tage in Pfarreizentrum: Austausch, Geistliche Zeit, biblische Filme anschauen, um eine Idee von biblische Geschichten zu bekommen – es ist ja die „erste“ Christengeneration, die hier aufwächst!

Auch mit Problematiken beschäftigt sich die Kirche dort vor Ort: So werden Gruppen von 20 bis 25 Leuten in ein Exerzitienhaus eingeladen, um zum Beispiel den Umgang mit Alkohol zu reflektieren. Die Arbeit zeigt Wirkung: Viele hören nach der Zeit dort mit der Trinkerei auf.

Mit den Kindern werden immer wieder Ausflüge gemacht: So lernen sie die Welt „da draußen“ kennen. Delhi und Kalkutta sind zum Beispiel regelmäßige Ziele.

Autopanne souverän gemeistert

Ganz glatt ging die Fahrt in das kleine Dorf natürlich nicht: Bei dem Auto riss die Hinterachse aus der Federung. Alles kein Problem, sofort wurde das Auto aufgebockt und die kaputte Federung mit Reifenschlauchstreifen repariert.

In Yangte angekommen gib es einen Wahnsinnsempfang: Die Gäste aus Deutschland werden mit Blumenkränzen, Schals und handgefertigtem Schmuck begrüßt. Es gibt Tanzdarbietungen, ein Familiengebet im Haus eines Katecheten und ein gemeinsames Essen an der Feuerstelle des Hauses.

Die meisten Menschen haben gutes Auskommen

Trotzdem, dass die Region sehr ärmlich wirkt, haben die Menschen dort ein gutes Auskommen. Viele haben einen Job von der Regierung, alle kultivieren Felder in den Bergen. Der ganze Clan unterstützt die Zahlung des Schulgelds für die Kinder. Kinder sind die Zukunft – das hat man in dem kleinen Dorf am gefühlten Ende der Welt verstanden.

Hausbau dauert drei Tage

Während sich in Deutschland ein Hausbau über Monate hinzieht, geht es in Yangte schnell: Alle Materialien werden besorgt, dann werden alle Dorfbewohner zusammengerufen. Innerhalb von drei Tagen ist das Haus fertiggestellt. Jeder Dorfbewohner kennt die Hausbautechnik und hilft so gut er kann.

Das Volk der Nyishi – Mädchen werden verkauft

Im abendlichen Gespräch mit den Patres lernen die Besucher aus Deutschland etwas darüber, was die Kultur der Nyshi ausmacht.

Neben vielen faszinierenden Aspekten kommt auch ein sehr aufwühlendes Thema zur Sprache: Der Verkauf von Mädchen. So können Väter jederzeit Mädchen abgeben beziehungsweise verkaufen. Die Mädchen haben kaum eine Chance ihren Mann selbst zu wählen. Junge Mädchen werden vor allem von älteren Männern gekauft.

Manchmal ergeben sich Beziehungen Jugendlicher untereinander. Sie leben dann sehr früh zusammen und bekommen schon im sehr jungen Alter Kinder. Die meisten jungen Eltern sind nicht älter als 16 Jahre. Manchmal verhandeln die Väter der Mädchen Jahre später über den Kaufpreis ihrer Tochter. Ein Ausgleich muss dann stattfinden. Das wirkt auf die Reisegruppe mehr als befremdlich.

Eine bisher seltene Ausnahme ist, dass Mädchen weiter in Schule gehen, studieren, selbst Geld verdienen und sich dann frei kaufen können.

Bischof von Itanagar kennt Goch am Niederrhein

So klein ist die Welt

Nach einer langen Fahrt über mitunter holprige Straßen sind die Gäste aus Deutschland in Itanagar im Bundesstaat Arunchal Pradesh angekommen. Die Diözese Itanagar ist erst zwölf Jahre alt – das erlebt man auch nicht alle Tage. Für den Übergang in das nördlich und zur Grenze von China gelegene Bundesland war ein extra Visum notwendig, welches der örtliche Bischof John Kattrukudiyil besorgt hatte. Alles lief gut an der Grenze. In der Landeshauptstadt und Bischofsstadt Itanagar musste sich die Reisegruppe bei der Polizei erneut melden, dass sie angekommen ist.

In den kommenden Tagen werden die fünf aus Deutschland – aufgeteilt in zwei Gruppen –  zwei Pfarreien in den Bergen besuchen, in denen wie überall in der Diözese die erste Christengeneration lebt. Alle sind erst einige Jahre oder gerade getauft. „Das ist unglaublich für uns aus der Diözese Münster mit mehr als 1000 Jahren Christentumsgeschichte“, sagt Hans-Georg Hollenhorst. Alle seien sehr gespannt auf die Begegnungen.

In einem längeren Gespräch mit dem Bischof – der gut Deutsch spricht –  stellt sich heraus: Er kennt Goch am Niederrhein! Er war in den 1970er-/1980er-Jahren mit Pfarrer Hendrix in Goch (der später Propst in Kleve war) befreundet. So kannte er Goch ganz gut, hat öfter in Maria Magdalena dort Messe gefeiert und sich bei einem Besuch dort im Rathaus auch in das Buch der Stadt eingetragen. Unglaublich, an der Grenze zu China weit abgelegen im Nordosten Indiens einen indischen Bischof zu treffen, der Goch am Niederrhein kennt. Besonders für Hans-Georg Hollenhorst war das eine außergewöhnliche Begegnung: Er ist in Goch aufgewachsen, es ist seine Heimatpfarrei.

Großartig, die weltweite katholische Kirche!

Nah bei den Menschen

„touring sisters“ im Herbst im Münster zu Gast

Diese Überschrift fasst zusammen, was die Reisegruppe in den Gesprächen mit sehr engagierten SeelsorgerInnen erlebt habt. Unter Verantwortung der Jesuiten in Guwahati wird das kulturelle Erbe der mehr als 200 Volksgruppen (tribals) in diversen Feldforschungen und Veröffentlichungen aufgearbeitet und damit bewahrt, denn die meisten Volksgruppen haben eine mündliche Überlieferung, die bisher noch nicht schriftlich erfasst wurde und ansonsten verloren gehen würde. Die Jesuiten verantworten auch eine Vernetzung von bisher 500 Anwälten, Richtern katholischen Glaubens im NO Indiens, die vor Ort ehrenamtlich über Menschen- und Gesundheitsrechte sowie andere Themen informieren und auch rechtlichen Beistand für diejenigen geben, die das Geld ansonsten dafür nicht aufbringen können. missio fördert diese Menschenrechtsarbeit der Jesuiten in NO Indien – ebenso wie Kurse, in denen Frauen lernen, wie sie erwerbstätig sein können. Die Reisegruppe zeigte sich beeindruckt vom Besuch eines Sozialcenters, das eben genau dieses tut.

Dienstagabend stand eine Begegnung mit den  Missionary Sisters of Mary Help of Christians (MSMHC) auf dem Programm. Diese sehr lebendige Ordensgemeinschaft ist die erste einheimischen Kongregation im Nordosten Indiens. Faszinierend zu hören war, dass die „touring sisters“ wie Paulus zu biblischen Zeiten unterwegs sind und die Freuden, Sorgen, Anliegen, Zweifeln der Menschen teilen. Sie sind jeweils zu zweit unterwegs, ein Team aus Krankenschwester und Pastoralschwester. Zu Beginn einer Pfarreitour gibt es ein Treffen mit dem Priester, den Schwestern und Katecheten in der Gesamtpfarrei zur Absprache der Tour für die nächsten drei Wochen. Ab dann sind die Schwestern nur noch zu Fuß unterwegs, manchmal bis zu zwölf Stunden, bis sie das nächste Dorf erreichen. Dort angekommen teilen Sie ganz nah das Leben der Menschen, schlafen auf einfachen Matten bei einer Familie, die sie aufnimmt für einige Tage, essen dort mit, lernen die Sprache. Sie gehen von Haus zu Haus, helfen so gut es geht bei Krankheiten, beten mit den Menschen, teilen ihre Hoffnungen und Ängste … Es gibt auch Treffen in Gruppen, Erfahrungen mit und Trainings im Bibel Teilen, damit der Glaubens- und Erfahrungsaustausch weiter lebt, wenn die Schwestern nach einigen Tagen zum nächsten Dorf weiterziehen. Dann geht es zum Luft holen, Wäsche waschen … zurück zur Kommunität, bevor die nächste Tour beginnt. „Den Schwestern war anzumerken, wie sehr sie von ihrem lebendigen Glauben in dieser Mission getragen werden. Sie sprühten nur so voller Begeisterung: Frauenpower“, resümieren die Gäste aus Deutschland. Probleme, Mitstreiterinnen zu finden haben die „touring sisters“ nicht: Vielmehr suchen die jungen Frauen das Angebot als willkommene Abwechselung. „Das, was die Schwestern tun, tun sie aus der tiefen Kraft der Gemeinschaft und des Glaubens“, schildert Thomas Kamp-Deister seinen Eindruck.

Drei „touring sisters“ werden zur missio-Kampagne im Oktober nach Deutschland kommen und von ihren Erfahrungen erzählen. Für ihre Arbeit in Nordost-Indien überreichten die Gäste aus Deutschland ihnen eine Schutzengelplakette: Damit Gott sie beschützen möge. Bewegend!

Am Rande:  Unfallfrei durch vollgestopfte Straßen

Alle hupen und gefühlt fahren und laufen Rollerfahrer, Autos, kleine LKW und Fußgänger völlig ungeordnet auf einer viel zu schmalen Straße ganz nah an Verkaufsständen vorbei: Eine Autofahrt durch die Straßen von Guwahati hat Abenteuerpotenzial. Erst recht nach Einbruch der Dunkelheit. Aber alles ist gut gegangen – dank des erfahrenen Fahrers der Reisegruppe. Er hat sie sicher durch das wilde Treiben gebracht. Vielen Dank!

Tagsüber ging es vorbei an vielen Baustellen – die für europäische Augen ebenfalls abenteuerlich aussehen. Die Sicherheitsvorschriften, wie man sie aus Deutschland kennt, gelten im Nordosten Indiens wohl eher nicht …

Nächste Station: Itanagar

Weiter geht’s auf der Reise durch eine faszinierende Region. Von Guwahati geht es nach Itanagar.  500 Kilometer und fast zehn Stunden Fahrzeit mit Mittagsessen auf halbem Weg im Bischofshaus in Tezpur stehen auf dem Programm. „In Itanagar werden wir vom dortigen Bischof empfangen. Wir freuen uns auf noch mehr neue, faszinierende Begegnungen“, sagt Hans-Georg Hollenhorst.

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Erste Begegnungen im Partnerland

Willkommensschals und Einladungen von Bischof Felix Genn

Der erste Tag in Nordost-Indien – Guwahati: Die doch auch anstrengende Anreise ist nahezu vergessen und die ersten Begegnungen vor Ort standen auf dem Plan. Spannend. „Wir sind wie Freunde empfangen worden“, sagte Hans-Georg Hollenhorst begeistert und auch die anderen Mitreisenden freuen sich über solch einen herzlichen Empfang. Zum Beispiel haben alle Gäste aus Deutschland einen Willkommensschal erhalten. Jede Volksgruppe in Nordost-Indien hat ihren eigenen. Die fünf aus Deutschland wurden mit dem Schal der Assamis begrüßt – gestaltet mit einem für diese Indigenen typischen Muster. Doch auch die Gäste hatten kleine Aufmerksamkeiten dabei: So übergaben sie unter anderem Schlüsselbänder und Stofftaschen.
Vor allem aber hatten sie persönliche Einladungen von Bischof Dr. Felix Genn für jeden der im Oktober in Münster erwarteten Gäste dabei. „Die sind gut angekommen“, sagt Hollenhorst.

Etwas zu feiern gab es auch: F. Hector SJ hatte Geburtstag. Zu diesem Anlass waren auch Erzbischof em. Thomas Menamparampil und der Generalvikar der Diözese Kizhakevely, Fr. Varghese, gekommen. Beide Männer sind im Oktober auch in Münster zu Gast. Der 83-jährige Erzbischof hat auch ein Grußwort an die Menschen im Bistum Münster gerichtet. Er freue sich auf die Begegnungen in Deutschland Anfang Oktober.

Gemeinsam erlebten alle schöne und auch informative erste Stunden. Die Gastgeber ließen es sich nicht nehmen, der Reisegruppe aus Deutschland ihre Diözese und ihre Region vorzustellen. So weit weg von Münster und doch so verbunden im Glauben – das ist schon eine spannende Sache!

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