Mexiko 2012

Teotihuacan – Der Ort, an dem die Menschen zu Göttern werden

Tag 2:

Um zu den Göttern zu gelangen, gilt es erst einmal eine Stunde lang im Bus hinaus aus der City zu fahren. Dabei führt der Weg auch durch Viertel, welche geprägt sind von Armut und Ausgrenzung. Die Metro stoppt „geschickterweise“ schon vorher, dafür jedoch führen die vielspurigen Autobahnen direkt an den kleinen und elenden Behausungen vorbei. Ausgegrenzt, vergessen, weit ab vom Zentrum leben hier Millionen von Bürgerinnen und Bürgern unter höchst schwierigen Bedingungen. Kurz: Orte der Gottverlassenheit?! Wir sind froh, uns in den nächsten Tagen noch ein eigenes und genaueres Bild davon machen zu können.

Doch auch das heutige Touristenprogramm war sehr beeindruckend. Teotihuacan ist eine vorspanische Kultstätte (deswegen: „der Ort, an dem die Menschen zu Göttern werden“) und gleichzeitig Wohnort und Lebensraum zigtausender Menschen ungefähr seit der Zeitenwende. Noch heute künden großartige Tempelanlagen und offene Plätze von der Majestät und Lebendigkeit einer großen, untergangenen – oder man muss sagen zerstörten – Kultur. Für uns als Theologiestudierende ist es besonders beeindruckend, damalige Weltdeutungen und die intensive Verbundenheit dieser Menschen mit Schöpfung, Natur und Göttern nachzuvollziehen. Durch ausführliche Erläuterungen sowie durch die nötige Zeit, alles in Gänze auf sich wirken zu lassen, konnte dieser Ort in unseren Köpfen ein bisschen lebendig werden …

Nach einem typisch mexikanischen und sehr schmackhaften Essen, welches zusätzlich untermalt wurde durch die Gesangseinlage eines Mariachi, ging es zurück in die Stadt, in der dann Zeit war zum Erholen, Shoppen und Verdauen der Eindrücke und Prinzessbohnen.

gez. El Commandante y El Viejo
Bene u. Peter

Ein Teil der Gruppe auf der Sonnenpyramide

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Gelandet und doch nicht angekommen?!

Nun sind wir gelandet und haben den ersten Tag in Mexiko-Stadt verbracht. Einen ganzen Tag lang konnte die Stadt ihre beste Seite von sich zeigen. Nur wenig Verkehr und dennoch viele Menschen trieben sich auf den Straßen der Altstadt rum und versuchten, ihre Wege zu gehen. So auch wir. Zunächst versammelten wir uns in einer kleinen Kirche, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern , einen lateinamerikanischen Gottesdienst mit den üblichen Sonderheiten. Handys klingeln, Kinder spielen und eben die doch eigene Art zu feiern. Von dort ging es zum Templo mayor – einer Tempelanlage inmitten der Stadt. Anschließend sollte sich ein Überblick verschafft werden von ganz oben – der Torre latinoamericano.

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Viele Eindrücke, die es noch gilt zu ordnen, doch dies wird Aufgabe der nächsten Tage und Nächte werden. Grundsteine dafür wurden heute gelegt. Jetzt gilt es, unsere Gedanken auszugraben und neu zu entdecken. Aber dem Ankommen sind wir auf der Spur! In diesem Sinne, que viva México!

sgg Tobi Otte (24 Jahre)

Mexikoreise – “Grenzüberschreitend Theologie treiben”

Studienreise nach Mexiko (in Zusammenarbeit mit Adveniat und missio Aachen)

– Ausschreibung des Hauptseminars im SS 2012 an der Theol. Fakultät in Münster –

Theologie treiben und Christsein unterliegen aufgrund der geschichtlichen und sozialen Bedingungen immer den spezifischen kontextuellen Bedingungen, in denen es sich verortet und theologisches Nachdenken erfolgt. Grenzüberschreitend Theologie treiben bedeutet dementsprechend sowohl die jeweilige Inkulturierung des Christlichen, die verschiedenen “Christentümer” wahrzunehmen als auch die spezifischen Bedingungen des Kontinents und des Landes.

Für den Kontext Mexiko bedeutet dies seit langem eine Situation steigender Gewaltzusammenhänge, seit Jahren herrschende kriegsähnlichen Zustände, die dazu führen, dass Teile des Landes kaum noch regierbar sind. Unter diesen Bedingungen Christ/in und Theologe/Theologin zu sein heißt, sich im alltäglichen Leben diesen Erfahrungen von Gewalt stellen zu müssen. Es stellt sich so stets neu die Frage danach, wie Christsein und TheologIn sein unter diesen Bedingungen gelingen kann und welche Bedeutung und Rolle der Theologie und der Kirche hier zukommen.

Auf unserer Studienreise werden wir uns mit dieser Situation in Mexiko auseinandersetzen und danach fragen, wie die Erfahrungen des mexikanischen Kontextes unser Selbstverständnis als TheologIn und unser Theologie Treiben im europäisch-deutschen Kontexten verändert – im Studium, in einer späteren Tätigkeit etwa als PastoralreferentIn, Priester oder ReligionslehrerIn.

Die Reise wird uns zuerst in den städtischen und universitären Kontext Mexiko-City führen. Dort werden wir uns in enger Verzahnung von Theorie und Praxis mit der mexikanischen Situation, insbesondere den dort herrschenden Gewaltverhältnissen und Menschenrechtsverletzungen konfrontieren. Im zweiten Teil der Reise werden wir dann vor diesem Hintergrund die pastorale Situation im städtischen und ländlichen Kontext kennen lernen und reflektieren; Fragen nach Gemeindebildung und –praxis sowie Projekte sozial-politischer Bildungsarbeit stehen hier im Fokus. Zwei Querschnittsthemen werden uns begleiten, zum einen die Frage nach (Bewusstseins-) Bildungsprozessen und deren Vollzug im Kontext Mexiko, zum anderen das Thema Gender und Genderbeteiligung.

Durchgeführt wird die Studienreise in Kooperation der Kath.-Theologischen Fakultät (Prof. Dr. Judith Könemann, Prof. Dr. Andreas Uwe Müller) mit den Hilfswerken » Adveniat (Vera Krause, Stefanie Hoppe) und » missio Aachen (Hans-Georg Hollenhorst).

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