Diesmal sind fast alle MitarbeiterInnen …

… des Pastoralinstituts zu uns gekommen. Auch der Generalvikar ist wieder unter uns. Gemeinsam feiern wir, wenn auch in einem sehr kleinen Gebetsraum, einen zweisprachigen Gottesdienst. Die beiden „Eugene“ (Generalvikar Eugene Vaz und Domkapitular Dr. Eugen Maier aus Freiburg) sind die Zelebranten. Es ist die Feier einer Gemeinschaft, die in den vergangenen Tagen immer mehr zusammengewachsen ist. Die Frage, was wir aufgrund unseres Aufenthaltes nach Deutschland mitnehmen werden, was wir für unser pastorales Wirken gelernt haben, welche Vision wir von Kirche haben, tritt immer mehr in den Vordergrund. Und trotzdem tauchen immer neue Fragestellungen auf, die uns die MitarbeiterInnen aus dem Pastoralinstitut Singapurs erklären. Intensiv diskutieren wir heute das Miteinander von Pfarrer, Pfarrei und KCGs. Ein spannendes Thema.

Jetzt ist bereits der Zeitpunkt gekommen, dass sich unsere Gruppe verkleinert. Domkapitular Dr. Eugen Maier muss bereits zurück nach Deutschland. Mit vielen Eindrücke und einer großen Dankbarkeit für das, was er hier in Singapur erlebt hat, macht er sich auf die Rückreise. In einem kurzen Statement vor seiner Abreise gibt er zugleich seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Projekt des pastoralen Austausches auf internationaler Ebene im Rahmen der Fortbildung pastoraler MitarbeiterInnen der Erzdiözese Freiburg in Zukunft eine Fortführung erfährt.

Inzwischen hat sich auch „Catholic News“ bei uns gemeldet, sozusagen das „Konradsblatt“ Singapurs. Viele Fragen haben sie uns geschickt, die wir bis spätestens Sonntag beantworten sollen. Wir geben unser Bestes.

Da unsere Gastgeber gerne mehr über unsere Seelsorgeeinheiten erfahren möchten, setzen wir uns am Abend in einer kleinen Runde mit ihnen zusammen. Unsere neuen Freunde aus Singapur sind zugleich beeindruckt, aber auch irritiert über die hoch komplexen kirchlichen Strukturen in Freiburg.

Ich glaube, die letzten Tage waren recht anstrengend. Es ist 22.30 Uhr und nur noch Klemens Armbruster ist im Aufenthaltsraum anzutreffen. Oh, doch noch einer: Dr. Stefan Bonath kommt in unsere sehr kleine Runde. Er hat gerade E-Mails beantwortet, um die anstehende Neukonstituierung des Diözesanrates vorzubereiten. Freiburg ist trotz aller Entfernung sehr nah!

Tief und fest …

… habe ich geschlafen. Bei einer Tasse Kaffee versuche ich, meine Gedanken zu ordnen. Der Generalvikar der Erzdiözese Singapur, Father Eugene Vaz, kommt zu den Gesprächen hinzu. Es ist bereits das dritte Mal, dass er sich für uns Zeit nimmt. Wir erfahren eine unglaublich Wertschätzung durch unsere Gastgeber. Wann immer sie es einrichten können, nehmen sie an unseren Gesprächen teil. Aber sie nehmen nicht nur teil, sondern helfen uns, viele Dinge besser zu verstehen und zugleich fordern sie uns heraus, neue Sichtweisen zu entwickeln. Es ist ein wirklicher Austausch, der zwischen zunächst sich fremden Menschen aus Deutschland und aus Singapur entsteht. Und unsere Gastgeber sind sehr dankbar für die Gespräche, da sie ihnen helfen, in ihren eigenen Fragestellungen ebenfalls weiter zu kommen.

Auch Wendy Louis kommt erneut in unsere Gruppe. Wir haben fast ein schlechtes Gewissen. Über zwei Wochen lang hat sie diesen Kongress auf asiatischer Ebene in Thailand durchgeführt. Ihr Schreibtisch im Büro ist übervoll mit Arbeit. Und trotzdem ist es ihr wichtig, uns in unserem Projekt zu helfen.

Am Abend besuchen wir eine zweite Pfarrei, um mit den Verantwortlichen für KCG ins Gespräch zu kommen. Es ist die Pfarrei, in der ich bereits am Wochenende war. Da ich weiß, dass die Pfarrkirche nicht nur mich beeindruckt, sondern auch die gesamte Gruppe, beschließen wir, eine Stunde früher dorthin zu fahren. Und ich hatte recht. Alle sind überwältigt von der sehr modernen Kirche, die auf vielfache Weise der Theologie des II. vatikanischen Konzils Ausdruck verleiht. Zugleich treffen wir auf einen Pfarrer – ein Franziskaner -, der für sich die Vision von einer lebendigen Kirche sehr klar hat, die sich auf den Weg zu den Menschen macht. „Mit den KCG bringen wir die Kirche zu den Menschen!“ KCGs sind für ihn Kirche im umfassenden Sinne.

Als Father John Paul, so heißt der Pfarrer, erfährt, dass ich von missio bin, erkundigt er sich direkt nach Pater Schalück, unserem früheren Präsidenten, der zuvor Generalminister der Franziskaner war. Manchmal ist die Welt sehr klein.

Zusammen mit unseren neuen Freunden …

… aus Singapur versuchen wir eine gewisse Ordnung in die unterschiedlichsten Themen und Fragestellungen zu bekommen. Und sie helfen uns zugleich die Vision von Kirche, die ihren Ausdruck in KCGs findet, besser zu verstehen. Mission, Sendung bekommt eine neue Bedeutung. KCGs als Träger der Mission, der Sendung der Kirche. Es geht um eine Kirche, die aus dem christlichen Glauben heraus Verantwortung wahrnimmt im konkreten Nahbereich, nämlich der konkreten Nachbarschaft.

Wir freuen uns, dass Wendy Louis zu uns kommt. Sonntagabend kam sie zurück aus Thailand, wo sie als Verantwortliche der asiatischen Bischofskonferenzen für das Sekretariat der Laien einen zweiwöchigen internationalen Kongress zum Thema „KCGs in Asien“ durchgeführt hat. Es ist spannend, ihren Ausführungen zu folgen. Der Blick weitet sich. In unterschiedlichsten asiatischen Ländern haben KCGs Fuß gefasst. Wendy, frühere Direktorin des Pastoralinstituts in Singapur, zeigt uns aufgrund unterschiedlichster Erfahrungen in Asien auf, worauf es letztlich ankommt: es geht nicht darum, neue Strukturen zu errichten, wenn wir von KCG sprechen. Sondern es geht darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, Jesus Christus zu begegnen. Eine Begegnung, die Menschen verändert, die ihnen hilft, ihr Menschsein tiefer zu verstehen und zu leben.

Am Abend dann haben wir eine Begegnung mit den Verantwortlichen für KCGs in der Pfarrei „Heilige Familie“. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt. Ein zweites Abendessen wartet auf uns, bevor die eigentlichen Gespräche beginnen.

Wir treffen auf Menschen, die aus tiefster Überzeugung seit vielen Jahren als Leiterinnen und Leiter von KCGs engagiert sind und Verantwortung übernehmen. Eine wirklich spannende Gesprächsrunde. Fragen von Ausbildung und Begleitung, von Leitung und vom Selbstverständnis der KCG stehen im Mittelpunkt. Um 22.00 Uhr müssen wir uns verabschieden. Der Bus zurück in unsere Unterkunft wartet bereits.

Ziemlich erschöpft von den intensiven Gesprächen während des langen Tages und meiner Übersetzungstätigkeit, falle ich ins Bett.

Oh je! Wo sollen wir ansetzen, …

… die vielfältigen Begegnungen, Impressionen, Eindrücke und aufkommenden Fragen zu ordnen, ein wenig zu strukturieren, um dann an den Themen mit Hilfe des Pastoralinstituts weiterarbeiten zu können? Schon abends zuvor hatte jeder aus der Gruppe ein hohes Bedürfnis, von seinen Eindrücken und Erlebnissen den anderen aus der Gruppe zu berichten. So beeindruckend war der Aufenthalt in der jeweiligen Familie, so viele neue Informationen und Begegnungen haben sich in diesen drei Tagen ergeben, dass man es mitteilen möchte. Ein anstrengender Tag steht bevor.

Wir haben uns entschieden, dass zunächst einmal jeder für sich auf die letzten drei Tage zurückblickt und die Punkte notiert, die ihm wichtig erscheinen. Als zweiter Schritt sollen sich die Zweierteams zusammensetzen, um ihre Erfahrungen in ein und derselben Familie auszutauschen und gemeinsam entscheiden, was für sie die wichtigsten Punkte waren, was sie der Gruppe als wichtige Eindrücke, vielleicht auch Erkenntnisse mitteilen wollen.

Wir beginnen also mit der Präsentation der Teams. Jede Gruppe hat 15 Minuten Zeit. Arthur, Daphne und Jarvis vom Pastoralinstitut sind dabei; ich übersetze ihnen die Ergebnisse.

Die enorme Gastfreundschaft, die jeder von uns erleben durfte, wird in jedem Bericht besonders hervorgehoben. Das vielfältige Engagement der Gemeindemitglieder, der sehr hohe Gottesdienstbesuch in den Pfarrkirchen, sind weitere Aspekte, die benannt werden. Die Tatsache, dass viele Gastgeber erst als Erwachsene getauft wurden, ist ebenfalls Thema. Das Verhältnis der unterschiedlichen Kulturen und Religionen in Singapur hat wohl jeden von uns beeindruckt. Aber es stellen sich auch Fragen: auffällig sind die für uns zum Teil recht traditionellen Frömmigkeitsformen, auch in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften, und dies in einer hochmodernen Gesellschaft. Devotionalien stehen hoch im Kurs. Traditionelle Herz-Jesu-Bilder finden sich überall. Wie sind die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in eine Pfarrei eingebunden, wie ist das Verhältnis zueinander? Was heißt denn nun Kirche in der Nachbarschaft zu sein? Fragen über Fragen… Nach zwei Stunden ist diese erste Runde beendet.

Da Allerheiligen ist, hat uns der Rektor des Priesterseminars zur Teilnahme am Gottesdienst eingeladen. Dieser Einladung folgen wir gern.

Wie sehr wir inzwischen den Rhythmus Singapurs angenommen haben und von den Eindrücken, Erlebnissen und Reflektionen gefangen sind, wird mir bewusst, als ich am gleichen Tag versucht habe, das Konradsblatt telefonisch zu erreichen. Mich wundert, dass ich niemanden erreiche. Bis mich ein Kollege darauf aufmerksam macht, dass in Deutschland natürlich Feiertag ist! Hätte ich ja eigentlich selber drauf kommen können.

Am Nachmittag schildern Arthur Goh und Daphne Leong vom Pastoralinstitut Singapurs ihre Eindrücke, die sie von den Präsentationen am Vormittag erhalten haben. Sie teilen unsere Einschätzungen, helfen uns jedoch auch, sie in einen Kontext einzubinden. Es ist für uns sehr hilfreich, historische Hintergründe zu erfahren, warum die Kirche in Singapur heute so ist, wie sie ist. Auch eine Einordnung in die politische Situation Singapurs ist sehr hilfreich. Das hilft uns sehr, viele Dinge besser zu verstehen. Wir sprechen von einer Kirche, die geprägt ist von europäischen Einflüssen aufgrund der Missionsgeschichte, die zugleich sehr genaue Grenzen durch den Staat Singapur aufgezeigt bekommen hat.

Wir verständigen uns schließlich auf Themen und Fragestellungen, die für unsere weiteren Reflexionen wichtig sind.

Nach einem guten Kaffee …

… geht es um 10.15 Uhr zur Kirche. „Ja, wir haben sehr früh dort zu sein, sonst bekommen wir keinen Platz mehr!“ Der Gottesdienst beginnt um 10.45 Uhr. Keinen Platz mehr – in einer Kirche, die mehr als 1.000 Sitzplätze hat! Ich bin überwältigt. Als wir ankommen strömen die Menschen geradezu in die Kirche. Am Wochenende gibt es sechs Gottesdienste. Jeder Gottesdienst ist voll von Menschen, manchmal, so erzählt mir Emily sichtlich stolz, mehr als 1.500 Gottesdienstteilnehmer. Unglaublich. Ich kann wirklich nachvollziehen, dass diese Kirche, die besondere Atmosphäre in der Kirche die Menschen anzieht. Aber was wäre das schönste Gebäude, wenn es mit der Leitung nicht stimmt? Emily und Vicky sind glücklich darüber, dass die Pfarrei von Franziskanern geleitet wird. Eine recht junge Gemeinschaft von neun Franziskanern lebt in der Kommunität. Der eigentliche Pfarrer ist recht jung, erst 35 Jahre alt. Ein sehr sympathischer Mensch mit großer Ausstrahlung. Er ist auch Hauptzelebrant des Gottesdienstes. Um die Menschenmassen überhaupt bewältigen zu können, gibt es eine ganze Reihe von Aufsichtspersonen, die Sitzplätze anweisen und für Ordnung sorgen. Auch während des Kommunionempfangs regulieren sie den „Verkehr“, so dass es nicht zu großen „Staus“ kommt und somit die ganze Zeitplanung durcheinander gerät. Bereits eine halbe Stunde nach Beendigung unseres Gottesdienstes beginnt der nächste! Zeitverschiebungen kann man sich nicht leisten …

Letztlich sind es aber auch diese Menschenmassen, die die Franziskaner dazu geführt haben – wenn auch erst seit 2007 – dass sie intensiv die Errichtung der KCG fördern. Es gilt, eine Kirche zu errichten, in der konkrete Gemeinschaft erfahrbar wird, in der die Möglichkeit besteht, den eigenen Glauben zu reflektieren, mit anderen aus der Nachbarschaft auf das Wort Gottes zu hören, dem Wort Gottes eine Relevanz für das eigene Leben zu ermöglichen. Es geht um eine Kirche, die die Vernetzung von Menschen ermöglicht, die die gegenseitige Unterstützung in diesen riesigen Hochhäusern fördert, eine Kirche, in der es darum geht, Leben und Glauben zu verbinden, in der es darum geht, den Blick für den Anderen zu fördern.

Am Nachmittag schließlich geht es zurück in unsere Unterkunft. Alle TeilnehmerInnen unserer Gruppe werden von unseren Gastfamilien zurückgebracht. Ein großes Hallo beginnt. Alle haben das Bedürfnis, von ihren tollen Erlebnissen der vergangenen drei Tage zu erzählen. Und alle sind beeindruckt von der enormen Gastfreundschaft, die sie in den Familien erleben durften. Aber viele von uns sind auch erschöpft. Intensive Gespräch während der drei Tage, unterschiedlichste Eindrücke, die Begegnung mit vielen Menschen und natürlich die Tatsache, dass jegliche Kommunikation nur auf Englisch ablief hat Kraft gekostet. Ein offizielles Programm ist für den Abend nicht mehr vorgesehen. Lediglich das Abendessen ist noch als einziger offizieller Programmpunkt für diesen Tag vorgesehen. Die gesamte Gruppe ist dafür dankbar.