About

Posts by :

Kohleabbau: Größter Arbeitgeber ohne Zukunft

Die Diözese Jowai, gegründet 2006, ist die nächste Station der Reisegruppe aus Deutschland. Sie befindet sich noch im Aufbau und sieht die durch den Kohleabbau vor großen Herausforderungen.

Besitzer der Minen sind reich und wohnen eher in Shillong. Alle Minen sind in Privatbesitz. Die Besitzer sind manchmal auch katholisch und unterstützen die Kirche vor Ort.
Nicht alle Minen sind legal, es gibt auch eine Reihe illegaler Anlagen.

Der Kohleabbau bringt ein großes ökologisches Problem mit sich: Abschwemmungen aus der Kohle werden ins Grundwasser geleitet. Durch das verschmutzte Wasser werden vor allem viele Kinder krank.
Dennoch wollen auch die Jugendlichen in den privaten Menen arbeiten, weil es schnelles Geld gibt: So gibt es bei Feldarbeit 200-300 Rupies (3-4 Euro) und in einer Mine können es 1000-2000 Rupies (12-25 Euro). In der Region gibt es keine weiteren alternativen Arbeitgeber, die Existenz hängt am Kohleabbau. Die jüngsten Arbeiter in den Minen sind 14/15 Jahre alt. Gearbeitet wird bis ins hohe Alter – oder solange es die Gesundheit zulässt.
Ein Kohleschacht ist sehr schmal und bis zu 30 Meter tief. Es gilt: Je tiefer der Schacht, desto besser ist die Kohle. Die besten Arbeiter sind also Kinder oder Jugendliche – wegen des schmalen Körperbaus.

Die Arbeiter sind nicht organisiert. Einen Betriebsrat oder eine andere Interessenvertretung der Arbeitnehmer, wie sie in Deutschland üblich ist, gibt es nicht. Ebenso wenig gibt es Arbeitsschutz.

Viele Arbeiter kommen von außerhalb zum Kohleabbau, zum Beispiel aus Kalkutta, Assam oder illegal aus dem nahegelegenen Nachbarland Bangladesch (70 Prozent). Lediglich 30Prozent der Arbeiter sind einheimisch; einige arbeiten zusammen, um einen kleinen Truck zu befüllen; der Mienenbesitzer heuert Arbeiter an; deren Kohle entlohnt er und verkauft sie für den doppelten Preis weiter. Das führt dazu, dass Reiche immer reicher werden, und Arme immer ärmer.
Auf einen Truck können 15 Tonnen Kohle geladen werden. Der Wert: etwa 100.000 Rupies, das sind rund 90 Euro.

Durch das verseuchte Trinkwasser breiten sich viele Krankheiten aus. Viele arme Menschen können es sich nicht leisten, sauberes Trinkwasser zu kaufen.
Ebenfalls ein Problem stellen die Feinstaubgrenzwerte dar. Sie sind sehr hoch, die Belastung für die Menschen dramatisch. „Auch wir merken, dass unsere Atemwege angegriffen sind. Es zeigt sich, dass zuerst die Natur und in der Folge die Menschen leiden“, sagt Hans-Georg Hollenhorst.
Auch die Aids-Rate ist in der Region sehr hoch.

Im Dezember 2018 gab es einen schweren Unfall mit 15 Toten und überregionaler Presse. Schockierend: Wenn ein Unfall passiert, ist niemand verantwortlich. Wegen des Vorfalls werden die Minen momentan von der Polizei bewacht. Die Gäste aus Deutschland können das Abbaugebiet nur aus dem Auto sehen, Fotos und Berichterstattung sind nicht erwünscht.

Gewerbe ohne Zukunft

Der Kohleabbau ist ein Gewerbe ohne Zukunft. Nach Einschätzung des örtlichen Bischofs gibt es in 15 Jahren in der Kohle keine Arbeitsplätze mehr in der Region. Fatal: Der Raubbau an der Natur macht auch keinen Wechsel zur Landwirtschaft möglich.

Was versucht die Kirche? Die Enzyklika „Laudato Si“ ist wichtig und Bewusstseinsbildung für die Problematiken sind dem Bischof sehr wichtig. Die Kirche unterstützt die Menschen in der Gesundheitsvorsorge soweit möglich. Ordensschwestern besuchen alle Familien. Zentrales Anliegen für die Verbesserung der Situation für Ort ist einmal mehr die Förderung von Schulbildung.

Pfarreien als „Entwicklungspunkte“

In diesem Kohleabbaugebiet gibt es wenige sehr große Pfarreien, die stark wachsen und denen zumeist noch die Infrastruktur fehlt. Eine Schule ist da, andere Gebäude und auch die Kirchen fehlen.

Pfarrei „Trinity Parish in Sutnga“: Gäste nehmen an Geschicklichkeitslauf teil

Die Gäste aus Deutschland besuchen eine Pfarrei vor Ort. Viele arme Kinder besuchen die örtliche Pfarreischule. Teilweise kommen die Kinder aus Nepal – ihre Eltern arbeiten in der Region.

Ein Mal im Jahr feiert die Schule ein großes Sportfest. Die Gäste nehmen an einem Geschicklichkeitslauf teil und dürfen den Gewinnern anschließend die Preise verleihen. „Wir haben uns nicht schlecht geschlagen, aber letztendlich hatten wir keine Chance“, sagt Johannes Hunkenschröder und lacht.

Pfarrei „Good Shepard Parish in Ladrymbai“: 25 Taufen an einem Abend

Beeindruckend: In der großen Pfarrei mit 9.000 Katholiken gibt es an dem Abend, an dem die Gäste aus Deutschland da sind 25 Taufen. In den vergangenen acht Monaten waren es insgesamt schon 300 – unglaublich. Zu der Pfarrei gehören 24 Dörfer, zum Teil 1,5 Stunden Fahrt entfernt.

Eine Kirche gibt es in der Pfarrei (noch) nicht. Sie wird heiß ersehnt, aber ohne Hilfe von außen ist der Aufbau der Grundstruktur der Pfarreien nicht möglich.

Aufbau der Diözesanebene: Sozialcenter bieten Kindern Perspektive

Auch auf der Diözesanebene hat der Aufbau der noch so jüngen Diözese begonnen.
So gibt es ein Pastoralcenter in dem viel SCC-Arbeit (Soziale christliche Gemeinschaften mit dem Bibel teilen) geleistet wird, aber auch Jugend- und Sozialkurse angeboten werden.

Die 3. Etage des Centers fehlt noch für mehr Zimmer und auch eine Kapelle ist noch nicht vorhanden.

Nebenan ist ein kleines Gebäude: das Sozialcenter der Diözese. Insgesamt gibt es in der gesamten Diözese zwei davon. Ein weiteres liegt im Osten.
In den Centern finden von der Polizei aufgegriffene Straßenkinder Zuflucht, die etwas gestohlen haben und auch andere Strassenkinder.

In den Centern bekommen sie kurzfristig Unterkunft und Pflege. Am nächsten Tag gibt es einen Kontakt mit der öffentlichen Verwaltung: es erfolgt die Rückführung in die Familie oder die Aufnahme in ein staatliches Kinderheim staatlich. Eventuell wird eine  Schulausbildung bis zum 18.  Lebensjahr ermöglicht. Ab dem Zeitpunkt sind die dann jungen Erwachsenen auf sich allein gestellt und müssen für sich selbst sorgen.

Bischof Victor Lyngdoh sagt: „Mir wird manchmal richtig mulmig zu Mute, wenn ich die ganze Arbeit und die Herausforderungen  sehe, die vor mir liegen.“ Er freut sich gleichzeitig auf den Besuch in Münster und anschließend in der Diözese Aachen und hofft auf Unterstützung.

Indien: Faszinierend, herausfordernd, irritierend

Zum Ende der Reise durch den Nordosten Indiens, lässt die Reisegruppe das Erlebte auf sich wirken. Einige Spotlights:

  • Indien ist und bleibt ein faszinierendes, herausforderndes und uns auch irritierendes Land. Alles zu verstehen ist nicht möglich; am Ende kann man nur eintauchen ins diese Welt und die Vielfalt wahrnehmen.
  • Sehr offene, zugängliche und freundliche Menschen begegnen uns überall hier im NO Indiens. Obwohl wir als Europäer hier sehr auffallen, nimmt man im bunten Treiben wenig Notiz von uns. Gesänge und Tänze sind kraftvoll und bewegend. Viele Menschen sind in Flipflops unterwegs.
  • Für die Mehrheit der Familien geht es um das nackte Überleben. Sozialversicherungen gibt es in der Regel nur sehr eingeschränkt und für die, die einen guten Job haben, zum Beispiel bei der Regierung.
  • Wir erleben eine tolle Landschaft, die an vielen Stellen intensiv bearbeitet wird, etwas durch Tee- und Reisanbau.

  • Es gibt unterschiedliches Gemüse; es wird eher „scharf“ und fleischlastig (Hühnchen, Schwein, … ) und Fisch gegessen und für uns extra „nicht scharf“ gekocht. Es gibt viel frisches Obst (unterschiedliche Bananen, Trauben, Papaya, Äpfel ). Getrunken wird sehr süß mit viel Zucker: Pepsi ist überall sehr beliebt und natürlich Tee. Auch unterschiedliche Biersorten haben wir getestet.
  • Wir staunen über einen auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Verkehr, besonders in den Städten, der mit viel Hupen und dennoch rücksichtsvoller Fahrweise, quasi unfallfrei gelingt. Dazu kommen in Hindugebieten noch die frei laufenden heiligen Kühe, die auf keinen Fall angefahren werden dürfen. Wenn man eine verkehrsreiche Straßen passieren will, muss man mit Mut los laufen, kleine Handzeichen geben und auf keinen Fall stehen bleiben, dann klappt es „wunderbar“.
  • Es gibt ein hohes Maß an Individualverkehr mit Fahrrädern, Mopeds und Autos. Es gibt auch einen öffentlichen Nahverkehr, der aber für uns kaum zu durchschauen ist. Straßen- und Hinweisschilder sind nur rudimentär vorhanden. Ampeln werden durch Polizisten ersetzt, wenn überhaupt. Die Straßen und Wege sind eher Holper- und Stolperstrecken, löchrig geteert und nur manchmal frei befahrbar in der Stadt. Außerhalb der Städte gehen Straßen immer in Sandpisten und bei Regen in seifige, matschige Routen über. Viele Dörfer auf dem Land oder in den Bergen sind nur über lange Fußmärsche erreichbar. Die einzelnen Bundesstaaten sind mit Blick auf die Infrastruktur unterschiedlich entwickelt.
  • Spannend ist das tägliche, bunte Markttreiben mit vielen kleinen Ständen an der Straße und in mitunter engen Gassen, gezielt für verschiedene Bevölkerungsgruppen (arme bis wohlhabende Menschen) und Schwerpunkte (Bekleidung, Gemüse, Fisch und Fleisch, Haushaltswaren …).
  • Bis zur Ankunft in Shillong ist die Müllproblematik auffallend. Müll wird einfach an den Straßenrand oder ans Ufer von Flüssen geworfen. „Wenn in der Regenzeit die Pegel steigen, wird alles wieder sauber“, so hörten wir immer wieder. Je weiter das Flusswasser fließt, je mehr Müll sammelt sich. Er wird scheinbar nicht ab- oder aufgefangen.
  • Wasser ist oben in den Bergen reichhaltig verfügbar, sauber und trinkbar, weiter unten im Tal von Assam sieht es ganz anders aus, weil Müll und Abwässer einfach in die Flüsse geleitet werden. Wir sehen unterwegs trotzdem viele Frauen, die ihre Wäsche im Fluss waschen.
  • Unter die Haut gegangen ist uns die Info, dass die Eltern durch die zum Überleben notwendige Feldarbeit (oder andere Arbeiten) wenig Bindung zu ihren eigenen Kindern haben. Ganz klein werden sie mitgenommen, später dann aber einfach laufen gelassen und sich selbst überlassen. Auch durch den Schulbesuch und die oft externe Unterbringung über Jahre findet Entfremdung statt. Die Kehrseite ist, wie wir bei den Mutter-Theresa-Schwestern erfahren haben, dass Kinder sich zunehmend nicht mehr um ihre alten Eltern kümmern. So haben die Schwestern allein in Shillong ein Haus für Straßenkinder und für verwahrloste alte Menschen. „Auch Kinder mit Behinderung werden oft noch als Strafe Gottes gesehen und einfach am Straßenrand ausgesetzt“, erzählen uns die Schwestern.
  • Das Strom- und Handynetz ist weit ausgebaut. Manchmal fällt kurzfristig der Strom aus, was aber niemanden irritiert.
  • Das Zeitverständnis ist ganz anderes als in Deutschland. Auf dem Land lebt man bewusst von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Morgens um 4/4.30 Uhr geht die Feldarbeit los, abends um 19 Uhr ist Nachtruhe. In der Stadt ist der Rhythmus etwas verschoben, aber der Tag beginnt auch dort für alle sehr früh, auch in den Schulen.
  • Die Katholiken haben in jedem Dorf einen eigenen Friedhof. Es gibt die normale Erdbestattung, eine Verbrennung ist bei ihnen quasi unbekannt. Die Hindus hingegen verbrennen ihre Toten.

Bibel teilen in Christlichen Gruppen und Gemeinschaften fördert Aufbau einer Kirche auf Augenhöhe

Angekommen in der Diözese Shillong (Bundesstaat Meghayala) entdecken die Gäste aus Deutschland etwas Bedeutendes für die Pfarrei-Arbeit im Nordosten Indiens insgesamt.

In der Diözese Schillong gab es im Jahr 2000 in einer Diözesanversammlung die Entscheidung, auf neue Art Kirche zu werden. Seitdem wird dies mit Hilfe der SCC, Small Christian Communities, entwickelt.

Überall in den Pfarreien entwickeln sich solche überschaubaren Nachbarschaftsgruppen (8-15 Personen, Frauen, Männer, Kinder), die sich wöchentlich zum Bibel teilen nach der 7-Schritte-Methode treffen, meist zum Text des folgenden Sonntags-Evangeliums. Besonders wichtig ist der sechste Schritt, in dem eine konkrete Aktion der Umsetzung miteinander abgesprochen wird. Es kann etwas sein, das sofort und kurz erledigt wird (zum Beispiel ein Krankenbesuch in der Nachbarschaft …), es kann aber auch ein intensiveres, längeres Projekt sein (zum Beispiel die Mithilfe bei Baumaßnahmen der Pfarrei).

In einer Pfarrei in Shillong traf die Reisegruppe auf 24 solcher „units“, die alle eine/-n Leiter/-in haben.

In einem Laien-Fortbildungszentrum der Diözese finden viele Schulungen zur Unterstützung, Reflexion und Vertiefung statt. So werden viele LeiterInnen gefördert. Es entsteht mit der Zeit „von unten“ ein großes Netz sehr engagierter und in ihrem Glauben und in ihrer Persönlichkeit gereifter Menschen. Der Erzbischof betont, „dass man die Früchte der Entwicklung deutlich sehen kann.“

Erzbischof Dominic Jala ist in der Sache sehr klar: „Wir wollen diese neue Art von Kirche, wir wollen eine Gemeinschaft von Gemeinschaften sein. Meine Priester müssen die neue Rolle, die sich dadurch auch für Sie ergibt, akzeptieren. Wir trainieren alle Ordensschwestern, die damit in alle Pfarreien und Außenstationen kommen.“

Auch im zentralen Priesterausbildungszentrum für den Nordosten Indiens sind die Kandidaten in kleinen Gruppen aufgeteilt, um sich wöchentlich zum Bibel teilen zu treffen und sammeln so sehr viele persönliche Erfahrungen.

Alle Diözesen im NO Indiens arbeiten an diesem Projekt gemeinsam, sind gut vernetzt und haben mittlerweile einen Regionalkoordinator für SCC. Unterstützt werden sie vom Nationalteam Indien für SCC unter der Leitung von Thomas Vijay, der auch schon in Hildesheim Fortbildungskurse gegeben hat.

Pfarreien mit Außenstationen und Schulen

Die einheitliche Pastoralstrategie im Nordosten Indiens

Kirche erleben – das heißt auch, die pastorale Strategie der Pfarreien kennenzulernen, die auf dem Reiseplan der Gruppe aus Deutschland stehen. „In verschiedenen Diözesen, in der Stadt und auf dem weiten Land bis in die Bergregionen hinein zeigt sich uns immer wieder das gleiche Bild“, erklärt Hans-Georg Hollenhorst.

Eine Pfarrei besteht immer im Zentrum aus einer zentralen Pfarreistation mit weit im Umland liegenden Dörfern, den so genannten Außenstationen. Meistens sind es zwischen 10 und 40 kleinere Dörfer, die dazu gehören. Sie sind teilweise mit Jeep oder Motorrad erreichbar, ansonsten nur zu Fuß. Der Marsch dorthin kann bis zu drei Tagen dauern.

Im Zentrum gibt es meistens einen Kindergarten, immer eine Schule (1.-10. Klasse) mit angegliederten Internaten, getrennt für Mädchen und Jungen. Für beides muss ein Beitrag gezahlt werden. Die LehrerInnen leben mit auf dem Gelände. Zu den Schulen gehört oft ein kleiner Schwesternkonvent mit zwei bis vier Schwestern und ein Priesterteam mit zwei bis vier Priestern. Die beiden Teams werden meistens von einheimischen und internationalen Orden gestellt. Sie geben auch Unterricht in der Schule und sorgen sich um die Internatskinder.

Ansonsten touren Priester und Schwestern regelmäßig über mehrtägige Touren in alle angegliederten Dörfer.

Schule zuerst: Die Kirche in den Dörfern wird zuletzt gebaut

In den Dörfern gibt es unterschiedliche Formen von Katecheten als lokale Verantwortliche für die Pastoral. Es sind häufig Männer, aber auch immer wieder Frauen. Es gibt einzelne verantwortliche Katecheten, ein Duo aus Mann und Frau oder Teams mit bis zu fünf Leuten, die von der Gemeinschaft für drei bis fünf Jahre gewählt werden.

Die Gemeinschaft entscheidet auch, wer von jedem Dorf in den Pfarreirat entsandt wird. Dort können auch noch Einzelne dazu berufen werden.

So ein Pfarreisystem entwickelt sich nach und nach. Es beginnt oft mit ganz einfachen Gebäuden aus Bambus, in der dann Kinder beschult werden und Priester und Lehrer wohnen.

Die Leute fragen immer zuerst nach einer Schule. So wird damit begonnen. Die Kirche wird zuletzt gebaut.

Die Reisegruppe aus Deutschland erlebt durch die Bank sehr sympathische und engagierte, LehrerInnen-, Schwestern- und Priesterteams. Ihre Häuser sind alle sehr gastfreundlich. Es gibt immer mehrere angegliederte Zimmer für Durchreisende und Besucher. „Das ist sehr faszinierend“, sind sich alle einig.

Bildung hat ganz klar Priorität, weil sich nur über sie Gemeinschaft und Gesellschaft verändert, auch wenn der Weg über kleine Schritte und mehrere Generationen gedacht werden muss. Es gibt viele tolle Beispiele, wie aus solchen SchülerInnen engagierte BürgerInnen werden, die mitunter auch wichtige berufliche Positionen ausfüllen.

missio hilft beim Bau

Für die Errichtung der Gebäude ist unterstützende Hilfe auch aus dem Ausland notwendig; durch sie kann diese Infrastruktur aufgebaut werden. missio als kirchliches, internationales Hilfswerk und einige deutsche und andere Diözesen werden als verlässliche Partner sehr geschätzt. Interessant: Es waren deutsche Missionare, die im 19. Jahrhundert im Nordosten Indiens mit der Mission begonnen haben.

Die Pfarrei Batasipur: Das kirchliche Alltagsleben findet statt in 33 Dörfern

Ein solches Entwicklungsbeispiel haben die Gäste aus Deutschland in der Diözese Tezpur erleben dürfen. Nach einer 90-minütigen Fahrt von Tezpur bis in die Land-Pfarrei Batasipur. 33 Dörfer gehören dazu. missio Aachen, das Erzbistum Köln und alle Einheimischen haben das Projekt mit unterstützt. Die Kirche wurde erst 2018 eingeweiht als letztes Gebäude, das entstanden ist.

Die Menschen aus den Dörfern kommen in der Regel nur drei Mal im Jahr zur Pfarreikirche: Ostern, Weihnachten und zum Kirchweihfest. Ansonsten findet das kirchliche Leben in der Außenstation statt.

Schulausbildung in Batasipur: Kinder werden fit gemacht fürs College

Die Schule ist 2009 gestartet. Die meisten Kinder kommen aus der Volksgruppe der Boros (80 Prozent). 15 Lehrer unterrichten 600 Kinder; ein Drittel von ihnen lebt im Internat.
Die Schulgebühr beträgt 1.300 Rupies für katholische, 1.500 für andere Kinde. Eine Uniform kostet 250-300 Rupies (3-4 Euro).
Die Menschen sind sehr arm, manche werden finanziell unterstützt oder sind vom Schulgeld frei gestellt. Sie bringen dann etwas von dem, was sie anbauen, zum Beispiel Reis.

Die Hälfte der SchülerInnen sind katholisch.  Im Gebiet von Batasipur gibt es viele Hindus. Die Mädchen und Jungen besuchen vor Ort den Kindergarten und die Schule bis zur zehnten Klasse. Zum College, Klasse 11 und 12, mit Schwerpunkt  fahren die Jugendlichen in eine der größeren Städte. Die sind manchmal mehrere hundert Kilometer entfernt. Danach kann man studieren. Der Priester berichtet, dass von dieser Schule, an der er auch unterrichtet, von 100 Kindern auch 100 zum College in verschiedene Städte gehen. Ein Studium danach ist eher selten. Begründet liege das, so der Geistliche, an den finanziellen Verhältnissen der Familien. Ein Studium sei teuer, kaum jemand könne sich das leisten. Wer aber das College besucht hat, findet anschließend auch Arbeit, von der er leben kann.

Die Organisation der Pfarrei

Es gibt Männer und Frauen als Katechisten, je zwei in jedem Dorf. Sie werden für drei oder fünf Jahre von der Gemeinde gewählt. Jedes Dorf hat einen Dorfrat, der von den Bewohnern gewählt wird und jedes Dorf wählt Vertreter für den Pfarreirat; einige werden auf Pfarreiebene zusätzlich berufen.

Die Pfarrei gestaltet die einzelnen Sonntage für verschiedene Anliegen, zu denen dann aus allen Dörfern Teilnehmer kommen, zum Beispiel Katechetenmessen und -treffen, Sonntage für Jugendliche oder Frauen.

Die Priester touren während der Woche umher für Messen oder Meetings.

Die Messe wird in Boro- oder Hindi-Sprache gefeiert. Die Priester sprechen im Durchschnitt fünf Sprachen. Die gemeinsame  Sprache in der Diözese ist Hindi.

„Die Freude an der Arbeit kommt zuerst“

Auf die Frage nach den Herausforderungen seiner Arbeit antwortet der Priester: „Die Freude an der Arbeit kommt zuerst.“ Besondere Herausforderungen seien neben den hohen Erwartungen an die Priester, die manchmal nicht zu erfüllen seien, dass die Priorität der Menschen auf der Arbeit, dem Erwerb liege und dass die Jugendlichen immer mehr Möglichkeiten bekämen, so dass sie sich vom kirchlichen Leben mehr und mehr zurückzögen. Die Leute kommen oder kommen nicht, die Arbeit kommt zuerst für die Leute. „Im Moment ist es aber noch so, dass die Jugendlichen noch mit Nachdruck von den Eltern zur Kirche und zu Treffen geschickt werden“, sagt er.

Neugründungen von Pfarreien werden von der Diözese stark unterstützt

Sie bekommen monatlich 3.000 Rupies (40 Euro) und Messintentionen. Die Diözese stellt den Priestern die Unterkunft. In der Messe werden zur Gabenbereitung Lebensmittel gebracht: Reis, Gemüse oder Blumen, zum Beispiel. Die Gaben sind für die Kirche und auch für die Küster und Schwestern.

Generell kann man sagen, dass die Diözese der Neugründung einer Pfarrei in einem größeren Umfang Unterstützung leistet. Wenn Schule und Internate vor Ort gegründet wurden, zieht sie sich finanziell mehr zurück.

„Wir können viel lernen“

Es ist sehr spannend zu sehen, wie diese pastorale Strategie der Bistümer bis in die entlegensten Land- und Bergregionen greift. Vor dem Engagement der sehr kleinen Teams rund um den Bischof auf Diözesanebene (5-15 Personen) bis zu den Teams der LehrerInnen, KatechetInnen, Ordensschwestern und Priestern in diesen Großpfarreien beziehungsweise Missionsstationen kann man nur den Hut ziehen.

Die Gäste aus Deutschland erlebten und erleben für die Sache brennende, strahlende, … Jüngerinnen und Jünger Jesu. Der Ansatz wird durch eine mitunter stark wachsende Kirche bestätigt!

„Wir können viel lernen“, schlussfolgert Hans-Georg Hollenhorst. Dazu gehöre zum Beispiel die herausragende Gastfreundschaft, ein lebendiges Netzwerk und ein tiefer, persönlicher Glaube aus dem die Motivation für die pastorale Arbeit vor Ort unter oft ärmlichen Bedingungen erwachse.

 

… und was ist mit Tee?

Arme Familien mit Genossenschaftsmodell von Teegärten unterstützen

Weiter geht es von Itanagar über die vom Militär bewachte Grenze des Bundesstaates Arunachal Pradesh zurück in den Bundesstaat Assam und die Diözese Tezpur. Sie hat 33 Pfarreien mit je etwa. 40 Außenstationen mit bis zu 20.000 und mehr Katholiken. Die Außenstationen werden von einem Katechetenteam geleitet, dem fünf Laien angehören. Sie werden von der Gemeinschaft vor Ort für fünf Jahre gewählt.

In der Diözese Tezpur besucht die Reisegruppe aus Deutschland ein diözesanes Teeprojekt, das 2018 den Internationalen Preis für den besten Schwarztee-Geschmack erhalten hat. Nachträglich auch an dieser Stelle nochmals: Herzlichen Glückwunsch!

Die Grundidee des Projektes ist, arme Familien in einem Genossenschaftsmodell zu unterstützen. Father Sebastian, der Generalvikar der Diözese, hat das Projekt in Gang gesetzt. Er führt Schritt für Schritt durch den Entwicklungsprozess der Teeherstellung.
F. Sebastian sagt: „Wir trinken immer eine Tasse Tee, wenn wir müde werden. Das belebt uns neu.“ Der Slogan des Mädchens auf dem Plakat am Eingang zur Fabrikhalle sagt zudem in „Hindi-Sprache“: Tee reinigt die Seele!

Das verdeutlicht die Bedeutung des Tees in der Region.

Die Teeherstellung

Erster Schritt: Teeanbau durch Familien

    Verbunden mit dem Projekt sind heute 2.200 kleine Teegärten und damit ebenso viele Familien. Die Familien schließen sich zusammen und bringen den Tee zur Fabrik. Brachland für die Teegärten wurde den Familien zur Verfügung gestellt. Die Flächen sind bis zu einem Hektar groß. Die Tee-Qualität der kleinen Familien-Gärten ist besser als die von den Großplantagen.

Zweiter Schritt: Verarbeitung in der Teefabrik der Diözese

    Die Familien bringen den gepflückten Tee zur Fabrik. Dort wird er gewogen und quittiert. Die Fabrik der Diözese gibt für den Rohtee zwei Rupies mehr pro Kilogramm als die Großplantagen. Fünf Kilogramm Rohtee werden für ein Kilogramm Tee benötigt. Die Teeblätter werden acht Stunden lang angetrocknet, mit einem Gebläse wird Feuchtigkeit entzogen. Bei Regen wird eine beheizbare Trocknung verwendet. Ist der Tee getrocknet, wird er mehrfach zerkleinert und gemahlen. Bei der anschließenden erneuten Trocknung wechselt er seine Farbe. Die folgende Röstung geschieht bei 180 Grad. Am Ende des Prozesses entstehen verschiedene Qualitäten Tee und verschiedene Sorten: schwarzer und grüner Tee. Der beste Tee ist nach F. Sebastian der nicht erhitzte grüne Oolong Tee.

Dritter Schritt: Teevermarktung

    Der Tee wird in Säcken mit LKW nach Gujarat, Bombay und weiter ins ganze Land verkauft. Er wird dann dort gemixt mit Ernten aus anderen Regionen. Künftig ist auch eine Vermarktung außerhalb Indiens geplant.

Vierter Schritt: Gewinn unter den Familien teilen

    Der Gewinn der Diözesanfabrik wird am Ende, nach Abzug der Kosten, durch alle beteiligten Familien geteilt. Die Firma selbst macht keinen Gewinn. Erntezeit ist von Februar bis Dezember, sieben Stunden täglich.

Die Teepflanze:

Die Teepflanze braucht drei Jahre bis sie erntereif ist. Der Stamm wird mehrmals in etwa 20 Zentimetern Höhe über der Erde abgeschnitten. Dadurch verbreitet sich die Teepflanze. Sie braucht viel Wasser, Sonne und Schatten. Gespendet wird letzterer durch Bäume, die auf den Teefeldern gepflanzt werden.

Mit der Erntereife der Pflanze kann dann alle sechs Tage Tee gepflückt werden. Die Erntezeit ist im Jahr vom 27. Februar bis zum 10. Dezember.

Die Tee-Testung:

Nach dem Rundgang durch die Fabrik bot sich für die Gäste aus Deutschland die Möglichkeit, die verschiedenen Tees zu probieren. Dabei wird ein Teelöffel Tee zwei bis drei Minuten mit heißem Wasser aufgebrüht und dann durch ein Sieb gegossen. Getrunken wird er ohne oder mit einem Teelöffel Milch. „Eine tolle, neue Erfahrung“, waren sich alle einig.

Teepflücken auf Plantagen:

Ein Arbeitstag eines Teepflückers ist sieben Stunden lang. In dieser Zeit sollen 23 Kilogramm pro Person gepflückt werden. Nachmittags holt ein LKW den gepflückten Tee ab und wiegt das Pflückergebnis des Tages. Wenn mehr gepflückt wurde als das Tagessoll vorgibt, gibt es mehr Geld, sonst weniger. Frauen sind die besseren Pflücker: Gute Pflückerinnen schaffen pro Tag manchmal 30 bis 60 Kilogramm. Als Bezahlung erhalten die Teepflücker außer 140 Rupies am Tag (etwa 1,50 Euro) auch Unterkunft, Essen, Kleidung und medizinische Versorgung. Aktuell im Kommen sind kleine elektrische Erntegeräte der Chinesen mit Batterie auf dem Rücken; so werden weniger Pflücker gebraucht.