Indien: Faszinierend, herausfordernd, irritierend

Zum Ende der Reise durch den Nordosten Indiens, lässt die Reisegruppe das Erlebte auf sich wirken. Einige Spotlights:

  • Indien ist und bleibt ein faszinierendes, herausforderndes und uns auch irritierendes Land. Alles zu verstehen ist nicht möglich; am Ende kann man nur eintauchen ins diese Welt und die Vielfalt wahrnehmen.
  • Sehr offene, zugängliche und freundliche Menschen begegnen uns überall hier im NO Indiens. Obwohl wir als Europäer hier sehr auffallen, nimmt man im bunten Treiben wenig Notiz von uns. Gesänge und Tänze sind kraftvoll und bewegend. Viele Menschen sind in Flipflops unterwegs.
  • Für die Mehrheit der Familien geht es um das nackte Überleben. Sozialversicherungen gibt es in der Regel nur sehr eingeschränkt und für die, die einen guten Job haben, zum Beispiel bei der Regierung.
  • Wir erleben eine tolle Landschaft, die an vielen Stellen intensiv bearbeitet wird, etwas durch Tee- und Reisanbau.

  • Es gibt unterschiedliches Gemüse; es wird eher „scharf“ und fleischlastig (Hühnchen, Schwein, … ) und Fisch gegessen und für uns extra „nicht scharf“ gekocht. Es gibt viel frisches Obst (unterschiedliche Bananen, Trauben, Papaya, Äpfel ). Getrunken wird sehr süß mit viel Zucker: Pepsi ist überall sehr beliebt und natürlich Tee. Auch unterschiedliche Biersorten haben wir getestet.
  • Wir staunen über einen auf den ersten Blick chaotisch wirkenden Verkehr, besonders in den Städten, der mit viel Hupen und dennoch rücksichtsvoller Fahrweise, quasi unfallfrei gelingt. Dazu kommen in Hindugebieten noch die frei laufenden heiligen Kühe, die auf keinen Fall angefahren werden dürfen. Wenn man eine verkehrsreiche Straßen passieren will, muss man mit Mut los laufen, kleine Handzeichen geben und auf keinen Fall stehen bleiben, dann klappt es „wunderbar“.
  • Es gibt ein hohes Maß an Individualverkehr mit Fahrrädern, Mopeds und Autos. Es gibt auch einen öffentlichen Nahverkehr, der aber für uns kaum zu durchschauen ist. Straßen- und Hinweisschilder sind nur rudimentär vorhanden. Ampeln werden durch Polizisten ersetzt, wenn überhaupt. Die Straßen und Wege sind eher Holper- und Stolperstrecken, löchrig geteert und nur manchmal frei befahrbar in der Stadt. Außerhalb der Städte gehen Straßen immer in Sandpisten und bei Regen in seifige, matschige Routen über. Viele Dörfer auf dem Land oder in den Bergen sind nur über lange Fußmärsche erreichbar. Die einzelnen Bundesstaaten sind mit Blick auf die Infrastruktur unterschiedlich entwickelt.
  • Spannend ist das tägliche, bunte Markttreiben mit vielen kleinen Ständen an der Straße und in mitunter engen Gassen, gezielt für verschiedene Bevölkerungsgruppen (arme bis wohlhabende Menschen) und Schwerpunkte (Bekleidung, Gemüse, Fisch und Fleisch, Haushaltswaren …).
  • Bis zur Ankunft in Shillong ist die Müllproblematik auffallend. Müll wird einfach an den Straßenrand oder ans Ufer von Flüssen geworfen. „Wenn in der Regenzeit die Pegel steigen, wird alles wieder sauber“, so hörten wir immer wieder. Je weiter das Flusswasser fließt, je mehr Müll sammelt sich. Er wird scheinbar nicht ab- oder aufgefangen.
  • Wasser ist oben in den Bergen reichhaltig verfügbar, sauber und trinkbar, weiter unten im Tal von Assam sieht es ganz anders aus, weil Müll und Abwässer einfach in die Flüsse geleitet werden. Wir sehen unterwegs trotzdem viele Frauen, die ihre Wäsche im Fluss waschen.
  • Unter die Haut gegangen ist uns die Info, dass die Eltern durch die zum Überleben notwendige Feldarbeit (oder andere Arbeiten) wenig Bindung zu ihren eigenen Kindern haben. Ganz klein werden sie mitgenommen, später dann aber einfach laufen gelassen und sich selbst überlassen. Auch durch den Schulbesuch und die oft externe Unterbringung über Jahre findet Entfremdung statt. Die Kehrseite ist, wie wir bei den Mutter-Theresa-Schwestern erfahren haben, dass Kinder sich zunehmend nicht mehr um ihre alten Eltern kümmern. So haben die Schwestern allein in Shillong ein Haus für Straßenkinder und für verwahrloste alte Menschen. „Auch Kinder mit Behinderung werden oft noch als Strafe Gottes gesehen und einfach am Straßenrand ausgesetzt“, erzählen uns die Schwestern.
  • Das Strom- und Handynetz ist weit ausgebaut. Manchmal fällt kurzfristig der Strom aus, was aber niemanden irritiert.
  • Das Zeitverständnis ist ganz anderes als in Deutschland. Auf dem Land lebt man bewusst von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Morgens um 4/4.30 Uhr geht die Feldarbeit los, abends um 19 Uhr ist Nachtruhe. In der Stadt ist der Rhythmus etwas verschoben, aber der Tag beginnt auch dort für alle sehr früh, auch in den Schulen.
  • Die Katholiken haben in jedem Dorf einen eigenen Friedhof. Es gibt die normale Erdbestattung, eine Verbrennung ist bei ihnen quasi unbekannt. Die Hindus hingegen verbrennen ihre Toten.