… und was ist mit Tee?

Arme Familien mit Genossenschaftsmodell von Teegärten unterstützen

Weiter geht es von Itanagar über die vom Militär bewachte Grenze des Bundesstaates Arunachal Pradesh zurück in den Bundesstaat Assam und die Diözese Tezpur. Sie hat 33 Pfarreien mit je etwa. 40 Außenstationen mit bis zu 20.000 und mehr Katholiken. Die Außenstationen werden von einem Katechetenteam geleitet, dem fünf Laien angehören. Sie werden von der Gemeinschaft vor Ort für fünf Jahre gewählt.

In der Diözese Tezpur besucht die Reisegruppe aus Deutschland ein diözesanes Teeprojekt, das 2018 den Internationalen Preis für den besten Schwarztee-Geschmack erhalten hat. Nachträglich auch an dieser Stelle nochmals: Herzlichen Glückwunsch!

Die Grundidee des Projektes ist, arme Familien in einem Genossenschaftsmodell zu unterstützen. Father Sebastian, der Generalvikar der Diözese, hat das Projekt in Gang gesetzt. Er führt Schritt für Schritt durch den Entwicklungsprozess der Teeherstellung.
F. Sebastian sagt: „Wir trinken immer eine Tasse Tee, wenn wir müde werden. Das belebt uns neu.“ Der Slogan des Mädchens auf dem Plakat am Eingang zur Fabrikhalle sagt zudem in „Hindi-Sprache“: Tee reinigt die Seele!

Das verdeutlicht die Bedeutung des Tees in der Region.

Die Teeherstellung

Erster Schritt: Teeanbau durch Familien

    Verbunden mit dem Projekt sind heute 2.200 kleine Teegärten und damit ebenso viele Familien. Die Familien schließen sich zusammen und bringen den Tee zur Fabrik. Brachland für die Teegärten wurde den Familien zur Verfügung gestellt. Die Flächen sind bis zu einem Hektar groß. Die Tee-Qualität der kleinen Familien-Gärten ist besser als die von den Großplantagen.

Zweiter Schritt: Verarbeitung in der Teefabrik der Diözese

    Die Familien bringen den gepflückten Tee zur Fabrik. Dort wird er gewogen und quittiert. Die Fabrik der Diözese gibt für den Rohtee zwei Rupies mehr pro Kilogramm als die Großplantagen. Fünf Kilogramm Rohtee werden für ein Kilogramm Tee benötigt. Die Teeblätter werden acht Stunden lang angetrocknet, mit einem Gebläse wird Feuchtigkeit entzogen. Bei Regen wird eine beheizbare Trocknung verwendet. Ist der Tee getrocknet, wird er mehrfach zerkleinert und gemahlen. Bei der anschließenden erneuten Trocknung wechselt er seine Farbe. Die folgende Röstung geschieht bei 180 Grad. Am Ende des Prozesses entstehen verschiedene Qualitäten Tee und verschiedene Sorten: schwarzer und grüner Tee. Der beste Tee ist nach F. Sebastian der nicht erhitzte grüne Oolong Tee.

Dritter Schritt: Teevermarktung

    Der Tee wird in Säcken mit LKW nach Gujarat, Bombay und weiter ins ganze Land verkauft. Er wird dann dort gemixt mit Ernten aus anderen Regionen. Künftig ist auch eine Vermarktung außerhalb Indiens geplant.

Vierter Schritt: Gewinn unter den Familien teilen

    Der Gewinn der Diözesanfabrik wird am Ende, nach Abzug der Kosten, durch alle beteiligten Familien geteilt. Die Firma selbst macht keinen Gewinn. Erntezeit ist von Februar bis Dezember, sieben Stunden täglich.

Die Teepflanze:

Die Teepflanze braucht drei Jahre bis sie erntereif ist. Der Stamm wird mehrmals in etwa 20 Zentimetern Höhe über der Erde abgeschnitten. Dadurch verbreitet sich die Teepflanze. Sie braucht viel Wasser, Sonne und Schatten. Gespendet wird letzterer durch Bäume, die auf den Teefeldern gepflanzt werden.

Mit der Erntereife der Pflanze kann dann alle sechs Tage Tee gepflückt werden. Die Erntezeit ist im Jahr vom 27. Februar bis zum 10. Dezember.

Die Tee-Testung:

Nach dem Rundgang durch die Fabrik bot sich für die Gäste aus Deutschland die Möglichkeit, die verschiedenen Tees zu probieren. Dabei wird ein Teelöffel Tee zwei bis drei Minuten mit heißem Wasser aufgebrüht und dann durch ein Sieb gegossen. Getrunken wird er ohne oder mit einem Teelöffel Milch. „Eine tolle, neue Erfahrung“, waren sich alle einig.

Teepflücken auf Plantagen:

Ein Arbeitstag eines Teepflückers ist sieben Stunden lang. In dieser Zeit sollen 23 Kilogramm pro Person gepflückt werden. Nachmittags holt ein LKW den gepflückten Tee ab und wiegt das Pflückergebnis des Tages. Wenn mehr gepflückt wurde als das Tagessoll vorgibt, gibt es mehr Geld, sonst weniger. Frauen sind die besseren Pflücker: Gute Pflückerinnen schaffen pro Tag manchmal 30 bis 60 Kilogramm. Als Bezahlung erhalten die Teepflücker außer 140 Rupies am Tag (etwa 1,50 Euro) auch Unterkunft, Essen, Kleidung und medizinische Versorgung. Aktuell im Kommen sind kleine elektrische Erntegeräte der Chinesen mit Batterie auf dem Rücken; so werden weniger Pflücker gebraucht.