ER führt uns hinaus ins Weite…

Pünktlich zum Reformationsgedenken trat eine katholische Reisegruppe, bestehend aus 13 Personen aus den Diözesen, Erfurt, Fulda, Hildesheim und Dresden-Meißen (+ Johannes für missio), die Exposure-Reise auf die Philippinen an. Nach rund 20 Stunden Flug von Frankfurt/Main über Hongkong und Manila sind wir Allerheiligen in Bacolod gelandet. Estella und Father Mark vom Pastoralinstitut Bukal ng Tipan hießen uns bereits in Manila willkommen und traten gemeinsam mit uns den Weg zu unserer Unterkunft an.

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Viel Zeit blieb nicht, um die Zimmer zu beziehen und den Jetlag zu kompensieren, denn es bot sich gleich die Möglichkeit zu erleben, wie auf der Insel Negros Occidental Allerheiligen gefeiert wird. Für uns Deutsche war es erst einmal ungewohnt, das dieser Tag als ein buntes Familienfest gefeiert wird – inklusive Luftballons, Zuckerwattestand und frisch gestrichenen Gräbern. Für die Philippinos scheinen die Verstorbenen noch “lebendiger”  Teil der Familie zu sein. Beziehung, mit allem, was dazu gehört, wird über den Tod hinaus gelebt.

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Die ersten Eindrücke gingen so tief, dass bereits nach dem Abendbrot Gott und die Klimaanlage uns in einen angenehmen Dämmerzustand fallen ließ. Es wurde Morgen und es wurde Abend – erster Tag. Um eine Ahnung zu bekommen, was die Leute vor Ort geprägt hat und noch prägt, erhielten wir Informationen zur Geschichte der Insel Negros. Dabei wurde die spanische Besetzung hervorgehoben, die bis heute Auswirkungen auf die Struktur, Sprache und Architektur hat. Konkrete Nachwirkungen konnten wir beim Besuch einer Basisgemeinde einer Zuckerrohrplantage erleben, deren Anlage stark an ehemalige spanische Haciendas erinnert. Der Glaube an Gott spielt für die Menschen dort die erste Rolle überhaupt, was die Grundlage für das Leben und Arbeiten in Gemeinschaft ist. Dass das alltägliche Leben und der Glaube eng miteinander verbunden sind, zeigte sich daran, dass wir in der dortigen Kapelle begrüßt wurden. Kirche meint wirklich Lebensraum, in dem sich getroffen, erzählt, gesungen, gebetet und gegessen wird. Beziehung ist dort buchstäblich greifbar.

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Am Nachmittag war es an uns, selber in Beziehung zu treten – zu Gott, zu uns als Gruppe und auch zu uns selbst – im Rahmen spezieller Exerzitien. Die Bibelstelle zur Brotvermehrung im Johannes-Evangelium diente uns als Grundlage zur Reflexion – dazu schlüpften wir unter anderem in verschiedene Rollen, von denen wir meinten, dass sie in der damaligen Menschenmenge vertreten waren. Im Anschluss haben wir versucht, uns selbst in dieser Menge zu verorten. Dabei haben wir festgestellt, dass wir zwar zusammen unterwegs sind, aber noch nicht gemeinsam. Das warf dann die Frage auf: Wie wird eine Gruppe zur Gemeinschaft? Wir hoffen, eine Antwort folgt in den nächsten Tagen.