Vier Tage im Schnelldurchlauf

missio-projekt-montag-29-729. Juli – Sechs Leute, zwei Gruppen, viele Termine. Bujumbura im Schnelldurchlauf.
Seit dem 28. Juli kein Eintrag mehr – was ist passiert? Eine ganze Menge. Wie auch an den Tagen zuvor jagte ein Termin den nächsten. Die verbliebenen sechs Burundi-Reisenden mussten sich am Montag (29.7.) aufteilen, um alles unter einen Hut zu bekommen. Und so kam es, dass die DPSGler Saskia, Rapha, Jana und Frank zusammen mit den Amahoro-Amani Mitarbeitenden Reflexion und zukünftige Herausforderungen in Angriff zu nehmen, während Heiner und ich uns mit missio-Projektpartnern einer Sekundarschule trafen. Besagtes Projekt hat es sich zum Ziel gemacht, den Schülern von heute die Wichtigkeit eines friedlichen Miteinanders durch Theaterspiele und Sketche mit auf den Weg zu geben, weil diese die Politiker von morgen sein könnten. So wurden in einem ersten Schritt zwölf Schulen im Aufbau dieser Friedens-AGs unterstützt. Die Teilnehmenden aus dem Vorjahr qualifizieren sich dann zu Experten, die diese Projekte im Folgejahr selbstständig begleiten sollen. Die verschiedenen Theaterstücke mit Szenen, die Konflikte aufgreifen und auf spielerische Art und Weise vermitteln, wie diese gelöst werden können, wurden gefilmt und auf insgesamt drei DVDs dokumentiert. Heiner und ich kamen also in den Genuss einer einstündigen Kurzfassung, die mittels Laptop präsentiert wurde, nachdem der Beamer nicht scharf gestellt werden konnte. Im Anschluss hatten wir dann Gelegenheit, mit zwei Schülerinnen und einem Schüler drei verschiedener Schulen, sowie zwei Multiplikatoren ins Gespräch zu kommen. Kaum hatten wir die letzte Frage gestellt, hieß es auch schon weiterfahren, denn zum Mittagessen wollten wir die anderen wieder treffen und die weiteren Programmpunkte gemeinsam angehen. Wie schon so oft, gab es Buffet – bei dem ein Schälchen trockener Reis genauso teuer ist, wie ein pyramidenartig gestapelter Teller. Nach kurzer Verschnaufpause und Kaffee galt es dann, die diversen Amahoro Amani Kontakte nacheinander zu besuchen, Mitbringsel zu verteilen und Abschied voneinander zu nehmen, da es am nächsten Tag schon um sieben Uhr Richtung Busbahnhof gehen würde…

30. Juli: Von waghalsigen LKW-Experimenten img_0607über das Aussortieren von Plastiktüten bis hin zum Wiedersehen mit den PSG-Mädels
Der Wecker hätte um sechs Uhr klingeln sollen -wir haben verschlafen. Es ist halb sieben, in dreißig Minuten geht es zum Busbahnhof. Die Taschen sind noch nicht gepackt, die Dusche wartet darauf, uns mit einem kühlen Gruß die warme Nacht aus den Gliedern zu treiben. Wir – das sind Jana und ich. Seit Beginn der Reise teilen wir uns ein Zimmer und sind mittlerweile ein gut eingespieltes Team. Vor allem deshalb schaffen wir es also, dennoch pünktlich zur Abfahrt bereit zu sein. Dort treffen wir auf die anderen und warten gemeinsam auf Richard, der uns zum Bus begleitet. Nachdem wir auf der Hinfahrt gelernt haben, dass die guten Plätze früh weg sind, schaffen wir es diesmal die Rückbank und zwei Plätze weiter vorne zu ergattern. Es ist heiß, der Bus riecht, als hätte sich der ein oder andere Vorgänger die Fahrt noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Aber wir sitzen, das Gepäck ist verstaut und Rapha hat Frühstück besorgt. Es kann losgehen. Pünktlich um acht rollt der Wagen vom Hof und es geht hinaus aus der Stadt, Berg hoch und Berg runter, Kurve um Kurve. Auf der Fahrt wird mir noch einmal deutlich, wie sehr dieses landschaftlich so schöne Land von Armut gezeichnet ist. Unterwegs fallen mir viele Menschen auf, die alte, abgetragene, zum Teil löchrige Kleidung anhaben. Viele Häuser sehen heruntergekommen aus, die Straßen werden von schwer tragenden Menschen jeden Alters flankiert. An nahezu allen LKWs sehen wir junge Männer auf Fahrrädern, die sich seitlich auf der Stange sitzend die Berge hochziehen lassen. Dass dieses Unterfangen auch tödlich enden kann, wurde uns schon auf der Hinfahrt deutlich, als unser Fahrzeug nur knapp einen gestürzten Radfahrer verfehlte. An der Grenze heißt es auf ein Neues, auschecken, einchecken, Gepäck checken und weiterfahren. Vor allem Letzteres war spannend – wenn auch etwas zeitaufwändig. Denn: In Ruanda dürfen keine Plastiktüten verwendet werden – und entsprechend auch keine eingeführt werden, sodass alle im Gepäck befindlichen Plastiktüten gegen Papiertüten ausgetauscht und wieder verstaut werden mussten. Nach ca. acht Stunden Fahrt waren wir dann wieder in Kigali, wo wir letzte Besorgungen machten, bevor wir auf die beiden PSGlerinnen trafen und den Abend bei einem gemeinsamen Essen ausklingen ließen. Das Highlight dieses Abends war sicherlich die unvergessliche Fahrt mit acht Personen in nur einem Taxi – was auch auf Seiten der uns austeigen sehenden Ruanda zu dem Ausruf „It’s a bus“ führte.

31. Juli: Letzte Besuche, Hotel Ruanda und Lagerfeuer
Wir schreiben den 31. Juli. Es ist 06.30 Uhr. In einer Stunde müssen die Sachen gepackt sein. Uns erwartet ein volles Programm. Gemeinsam beginnen wir den Tag mit dem üblichen Frühstück: Omelette, Weißbrot, Kaffee mit Zucker und Milchpulver. Ob mein Körper wohl Entzugserscheinungen bekommt, wenn er zu Hause erstmal kein Ei mehr bekommt? Das wird sich zeigen – erstmal geht es aber weiter. Und zwar mit Besuchen bei der ASR, dem Jugendbüro, einem GIZ geförderten Jugendtreff und einem FIFA-Projekt. Es folgt eine kurze Verschnaufpause im Karibu, wo wir unser letztes Buffet einnehmen. Dann gilt es für die DPSGler gemeinsam mit den Leitern der ASR die vergangenen Monate der Zusammenarbeit auszuwerten und zukünftige Schritte zu definieren. Der Rest der Gruppe nutzt die Zeit, um Besorgungen für den Abschiedsabend zu machen. Gegen 15.30 Uhr wollen wir uns im Hotel des Milles Collines (besser bekannt als Hotel Ruanda) treffen, um eine Abschlussreflexion der Delegationsreise zu machen und Merkposten fürs weitere Vorgehen festzulegen. Wir haben kaum Zeit, durchzuatmen, denn um 18.30 Uhr werden wir mit Sack und Pack bei den AGR Frauen erwartet. Es heißt Abschied nehmen. Empfangen werden wir – das heißt unsere Reisegruppe, die ASR und einige Pfadfinder aus Frankreich mit einem großen Lagerfeuer, leckerem Essen, lauter Musik, netten Geschenken und warmen Worten. Gegen 22.00 Uhr müssen die ersten gehen, es ist spät, wir verabschieden uns, Umarmungen, Bisous und der Wunsch nach einem Wiedersehen werden ausgetauscht. Für unsere ruandischen Freunde endet der Tag, für uns heißt es weiterfahren. Weiterfahren in eine Bar, die zu später Stunde noch offen hat uns Platz zum Umziehen und Umpacken bietet. Unser Flieger wird erst um zwei Uhr morgens starten, an Schlaf ist nicht zu denken.

flughafen-frankfurt01. August: Der Rückweg
Gegen Mitternacht rollen die drei bestellten Taxis auf den Hof der Bar. Wir hatten extra drei genommen, weil wir viel Gepäck hatten und das war gut so. Denn: Eines der Taxis konnte den Kofferraum nicht öffnen. So stapelten wir uns und unser Gepäck in die verbleibenden Kofferräume und Rückbänke und fuhren los. Für Rapha und mich hielt dieser Zustand genau eine Minute an. Dann blieb das Auto stehen. Der Sprit war leer, es ging nicht weiter – bzw. doch, aber Rückwärts und zwar bergab. Während die anderen schon Richtung Flughafen unterwegs waren, hieß es für uns zu später Stunde eine Tankstelle finden. Runter rollen ging ganz gut und so erreichten wir nach kurzer Zeit eine Tankstelle. Sie hatte nur kein Benzin mehr und etwas verzweifelt rollte der Fahrer langsam weiter. Die nächste Tankstelle war schon in Sichtweite, als es dann endgültig vorbei war. So musste der Fahrer es dann über sich ergehen lassen, von seinem eigenen Fahrgast in Person von Rapha über die Straße geschoben zu werden. Eigentlich hatte diese Tankstelle bereits geschlossen, wurde aber extra für uns noch einmal hochgefahren. Mit leichtem Rückstand, aber trotzdem noch gut in der Zeit kamen also auch wir am Flughafen an, checkten ein und ….konnten noch nicht einsteigen, weil das Flugzeug auf unbestimmte Zeit verspätet war. Der Rest der Reise verlief dann wie geplant, Kurzstrecke nach Addis Abeba und nach längerer Aufenthaltszeit Weiterflug nach Frankfurt. Dort wurden wir kurz hinter der Gepäckausgabe auch schon identifiziert. Ein Pfadfinder, der unserer Delegation auf Twitter gefolgt war, erkannte uns. Er war gerade aus Fuerteventura zurückgekommen.
Und dann? Dann hieß es endgültig Abschied nehmen. Die ersten mussten ihre Züge bekommen, andere wurden abgeholt. Es war eine schöne Zeit für uns. Miteinander, zusammen, gemeinsam.

Judith