“I can be the richest man!”

Nachdem wir gestern bei einer Fairtrade-dsc0428-kleinKaffeekooperative waren, stand heute Vormittag der Besuch des “Farmer Support Centre” von Starbucks in Kigali auf dem Programm. Da Starbucks seit einiger Zeit in Europa ausschließlich Fairtrade-Espresso verwendet, haben wir uns dafür interessiert, welche Aktivitäten ein solcher Weltkonzern im Bereich Nachhaltigkeit zusätzlich zu Fairtrade anbietet, und was die Motivation für dieses Engagement und die Fairtrade-Zertifizierung ist. Im letzten Jahr hatte Starbucks auch Kaffee der Musasa-Kooperative gekauft, die wir gestern besucht hatten.

Das Starbucks Farmer Support Centre

Julianne Kayonga, die Leiterin des Farmer Support Centres, begrüßt uns in ihrem Büro und schiesst nach einer kurzen Vorstellung direkt los, uns einiges über das Farmer Support Centre zu erzählen: Das Zentrum wurde 2009 gegründet und ist neben Ruanda auch für Burundi und Tansania zuständig. Die Hauptaufgabe ist es, Kaffeebauern und -kooperativen zu beraten. Überichs nur nicht nur die, die mit Starbacks geschäftliche Beziehungen unterhalten, sondern grundsätzlich alle Kaffeebauern, die sich gerne beraten lassen möchten.

Qualität

Julianne erzählt uns auch viele Beispiele, wie die Arbeit “in the field” abläuft: Das wichtigste ist es, ein Bewusstsein für das Produkt und dessen Qualität zu schaffen, denn die meisten Kaffeebauern haben noch nie ihren eigenen Kaffee getrunken. Der erste Schritt ist es dann also, mit einem mobilen Labor zu den Bauern zu fahren und ihnen ihren Kaffee zu rösten, zu kochen und zuzubereiten. “We show the farmers, how their coffee tastes!” Aufgrund der meist anfangs schlechten Qualität, schmeckt den Kaffeebauern der Kaffe meist zunächst nicht. Wenn Juliannes Mitarbeiter dann aber einen hochwertigen ruandischen Kaffee verköstigen, sagt sie nur noch: “they drink it and they like it!” Sie entwickeln gar eine richtige Passion für guten Kaffee.

Ertrag

Neben der Qualität berät das Farmer Support Centre aber vor allem in Sachen Verbesserung des Kaffeeertrags. Julianne erzählt davon, dass viele Ruander sehr alte Kaffeesträucher haben, die nur einen niedrigen Ertrag bringen. Manche Kaffeesträucher bringen im Jahr nur 2,7 kg Ertrag, kürzlich hat sie sogar mit einem Bauern gesprochen, dessen Kaffeesträucher jeweils nur 300 g Ertrag pro Jahr bringen. Durch richtiges Schneiden der Sträucher, richtigem Einsatz von Düngemitteln und Schädlingsbekämpfung und Pflanzung von neuem Sträuchern zum richtigen Zeitpunkt könne aber auch dieser Kaffeebauer seinen Ertrag auf 10 kg pro Kaffeestrauch im Jahr ausweiten. Die Reaktion war begeistert: “I can be the richest man!”

Soziales

Das Bewusstsein für Qualität und Kenntnis von Anbaumethoden und der richtigen Weiterverarbeitung (Waschen, Fermentieren, Sortieren, Trocknen) ist aber nicht alles, was Starbucks den Kaffeeproduzenten bietet. Auch die soziale Entwicklung wie Frauenförderung, Gesundheitstraining und wirtschaftliche Beratung sind dem Unternehmen laut Julianne wichtig und es finden entsprechende Beratungen statt. Auch ist die Firma mit dem Agrarministerium in Kontakt und sieht sich als Advokaten der Kleinbauern.

Warum das Ganze?

Aber warum zeigt ein Unternehmen wie Starbucks ein solches Engagement, zumal sich dieses nicht nur an die eigenen Zulieferer handelt? Ich frage mich auch, ob es sich dabei eher um einen Tropfen auf den heißen Stein handelt, oder ob hier wirklich etwas bewegt wird. Sicher können wir bei einem solchen Besuch im Büro der Firma nicht all diese Fragen klären. Aber dennoch, was ist die Motivation für dieses kostspielige Engagement? Es scheint neben sozialem Engagement vor allem die Sicherung von entsprechender Qualität in ausreichender Menge in der Zukunft zu sein, was Starbucks antreibt. Rückblickend auf die letzten vier Jahre des Farmer Support Centres berichtet Julianne: “The impact is tremendous!”. Aus meiner Sicht ist das Engagement von Starbucks in Ruanda auf jeden Fall sehr begrüßenswert, auch wenn wir das nach einem kurzen Besuch sicher nicht umfassend beurteilen können.

Kaffeeverköstigung

Im praktischen Teil unseresdsc0410-kein Besuchs konnten wir eine Verköstigung mit zwei Kaffeeexperten machen. Das Farmer Support Centre überprüft regelmäßig die Qualität von Kaffeeproben, die die Kaffeebauern abliefern. Es gibt dann detaillierte Rückmeldungen bzgl. des möglichen Verkaufspreises und wie die Qualität verbessert werden kann: Muss das Waschen und Fermentieren verbessert werden, stimmt der Trocknungsgrad oder die Lagerung nicht oder muss besser aussortiert werden? Davon, dass der letzte Punkt extrem wichtig ist, konnten wir uns selbst überzeugen: Bei der Kaffeeprobe wird der frischgeröstete Kaffee von jedem Kaffeebauern in fünf Portionen für je eine Tasse geteilt und einzeln gemahlen. In fünf verschiedenen Gläsern wird dann erst am Pulver gerochen, dann am aufgebrühten Kaffee gerochen und letztendlich löffelweise verkostet. Schon am Geruch kann man feststellen, dass nicht alle fünf Gläser der selben Herkunft gleich riechen: In einzelnen Gläsern waren Bohnen, die von Schädlingen befallen sind, und daher einen unschönen Kartoffelgeruch und -geschmack aufweisen. Schon vereinzelte Bohnen können so dazu führen, dass ganze Kaffeesäcke oder gar Container nicht mehr besonders schmackhaft sind. Diese Erkenntnis macht noch einmal deutlich, wie wichtig die Qualitätssicherung durch Schädlingsbekämpfung und manuelles Aussortieren ist.

Frank