Gemeindeleben in Ciudad Neza

Mit Tequila, Gitarre, Akkordeon img_2770und zwei stimmkräftigen Priestern begann unser Wochenende in Ciudad Neza in typisch mexikanischem Ambiente – fröhlich, herzlich und sehr gastfreundlich. In den folgenden Tagen konnten wir neben der reichhaltigen mexikanischen Küche viele verschiedene Gruppierungen und vor allem viele engagierte und aufgeschlossene Gemeindemitglieder kennenlernen, die uns interessiert und mit grosser Offenheit begegneten und von ihrer Arbeit in der Gemeinde und ihrem Glauben erzählten. Besonders intensiv waren die Begegnungen mit unseren Gastfamilien, die uns sehr freundlich ihre Häuser geöffnet haben und uns so einen Einblick in mexikanisches Familien- und Alltagsleben schenkten.

Wir haben hier eine Gemeinde kennengelernt, in der die Gemeindemitglieder nicht nur die Messe besuchen, sondern aktiv das Gemeindeleben gestalten und mit Leben füllen. Das Leitbild ist eine “Gemeinde als Gemeinschaft von Gemeinschaften”. Dazu wurde das Pfarrgebiet in Sektoren eingeteilt, in denen sich nachbarschaftliche Basisgemeinden selbständig organisieren. In diesen Gruppierungen tragen verschiedene Dienste und Rollen zu Identitätsbildung und zu einem partizipativen Gemeindeleben bei. Daneben bestehen auch eher klassische pastorale Gruppen, die sich zum Beispiel in der Ehe- und Familienpastoral, Katechese oder bei Krankenbesuchen engagieren. Beeindruckend waren auch verschiedene spirituell-liturgische Momente, vor allem ein von Frauen geleiteter Gottesdienst mitten auf dem Wochenmarkt – eine Kirche, die sich auf den Weg zu den Menschen macht! Mittelpunkt des Gemeindelebens sind die sonntäglichen Messen. Sechs volle und sehr lebendige Messen hintereinander zeugen vom hohen Stellenwert, den die katholische Kirche hier noch hat. Frei nach dem Motto “laut, falsch, aber mit Begeisterung”, wie Padre Benjamín liebevoll seinen Chor beobachtet, gestalten viele Jugendliche diese Messen musikalisch mit und sorgen in Verbindung mit der integrierenden und lockeren Art des Patres fuer echte Begeisterung… So lebensnah und authentisch, so fröhlich und doch kritisch kann Liturgie sein! Kultureller Höhepunkt des Wochenendes war die “Fiesta Mexicana”, die vorgezogene Gemeindefeier des Nationalfeiertags. Ausgestattet mit mexikanischen Riesensombreros und allerlei grün-weiss-roten Accessoirs konnten wir mit Tequila in der einen Hand und Tacos in der anderen folklorische Tanzeinlagen, Gesang und die mexikanische Lebensfreude geniessen.

Neben interessanten Einblicken in die Struktur der Pfarrgemeinde und ihren Basisgemeinden, neben vielen anregenden Impulsen für die Pastoral auch bei uns in Deutschland, nehmen wir aus Neza vor allem die Erinnerungen an viele begeisterte und begeisternde Frauen und Männer mit, die ihren Glauben und ihre Verantwortung als Getaufte ernstnehmen und vor den Herausforderungen in Gesellschaft und Kirche nicht zurückschrecken. Toll, dass wir die Gelegenheit zu dieser Begegnung hatten – vielleicht können wir ja ein bisschen von dieser Begeisterung mit nach Hause bringen … Viva México!

Martina, Peter, Rodrigo und Benedikt