Erfahrungen in der Partnerdiözese Tula: casa del migrante in Tultengo

Die Hälfte unserer Großgruppe machte sichp1060026 für fünf Tage in das Partnerbistum Tula, im Bundesland Hidalgo, auf. Dort warteten schon vier Gastfamilien auf uns, die uns freudig begrüßten und die Tage über mit Hingabe und viel Liebe versorgten.

In dieser Zeit lernten wir verschiedene Realitäten des Bistums kennen: mehrere Basisgemeinden, Arbeiter in einer Handtuchfabrik, verschiedene traditionelle Prozessionen, (indigene) Volksfrömmigkeit, Katechetenunterricht und die Pastoralarbeit vieler Laien, Priester und Seminaristen.

Besonders eindrücklich für unsere Gruppe war der Sonntag. Nach dem reichhaltigen Frühstück in den Familien trafen wir uns in der Gemeinde St. Juan Bautista zum Wortgottesdienst mit Kommunionempfang, dem ein ausgebildeter Laie vorstand. Für die Katholiken in Tula ist diese Form des Gottesdienstes selbstverständlich um den Kirchenmitgliedern in den vielen Gemeinden gerecht zu werden. Die Kirchenbesucher waren sehr erfreut über die deutschen Lieder, die wir in den typisch mexikanischen Gottesdienst integrierten.

Im Anschluss daran ging es auf einem Pickup in Richtung „casa de migrante“ in dem täglich Migranten aus Mittel- und Südamerika einen Zwischenstopp auf ihrer Reise in die USA einlegen. Aufgrund von Perspektivlosigkeit und Armut sehen sich viele Menschen gezwungen den gefährlichen Weg auf einem Güterzug in eine „bessere Welt“ zu bewältigen. Diese Unternehmung ist begleitet von Hunger, extremen Wetterbedingungen, Bandenkriminalität, Polizeigewalt, Verstümmelungen und Tod.

Um das Leid der Migranten zu mildern und ihnen einen Ruhepol mit menschlicher Nähe zu bieten arbeiten Schwestern in der Nähe von Tula in einem Haus direkt an der Zugstrecke. Für uns unerwartet begegneten uns die Migranten mit Freundlichkeit und Offenheit. Wir konnten an diesem Tag einen kleinen Beitrag bei der Essensausgabe und bei der Reinigung des Essen- und gleichzeitig Schlafsaales leisten. Die Dankbarkeit der Männer, Frauen und Kinder war ihnen anzusehen. Während des darauffolgenden Gespräches mit der Leiterin des Hauses machten sich die Gäste bereits wieder auf den Weg in den Norden. Auf die Frage, ob wir mit den Migranten über Theologie gesprochen haben und wir dieses verneinten, erwiderte die Schwester: „Ihr habt gerade wirkliche Theologie betrieben – alles Theoretische nützt nichts, wenn es nicht praktisch gelebt wird!“ Unsere Gastfamilien waren von dieser harten Wirklichkeit und dem Engagement der Schwestern ebenso tief bewegt wie wir. Gemeinsam baten wir eine Unterstützung des Hauses der Diözese Tula an. Die argentinische Schwester gab uns zuletzt den Wunsch mit auf den Weg, dass wir nach unserer Heimkehr auch die Armen in unserer Umgebung mit anderen Augen wahrnehmen und zu bedenken, dass alle Menschen Migranten sind.

Michael und Tobias