Oh je! Wo sollen wir ansetzen, …

… die vielfältigen Begegnungen, Impressionen, Eindrücke und aufkommenden Fragen zu ordnen, ein wenig zu strukturieren, um dann an den Themen mit Hilfe des Pastoralinstituts weiterarbeiten zu können? Schon abends zuvor hatte jeder aus der Gruppe ein hohes Bedürfnis, von seinen Eindrücken und Erlebnissen den anderen aus der Gruppe zu berichten. So beeindruckend war der Aufenthalt in der jeweiligen Familie, so viele neue Informationen und Begegnungen haben sich in diesen drei Tagen ergeben, dass man es mitteilen möchte. Ein anstrengender Tag steht bevor.

Wir haben uns entschieden, dass zunächst einmal jeder für sich auf die letzten drei Tage zurückblickt und die Punkte notiert, die ihm wichtig erscheinen. Als zweiter Schritt sollen sich die Zweierteams zusammensetzen, um ihre Erfahrungen in ein und derselben Familie auszutauschen und gemeinsam entscheiden, was für sie die wichtigsten Punkte waren, was sie der Gruppe als wichtige Eindrücke, vielleicht auch Erkenntnisse mitteilen wollen.

Wir beginnen also mit der Präsentation der Teams. Jede Gruppe hat 15 Minuten Zeit. Arthur, Daphne und Jarvis vom Pastoralinstitut sind dabei; ich übersetze ihnen die Ergebnisse.

Die enorme Gastfreundschaft, die jeder von uns erleben durfte, wird in jedem Bericht besonders hervorgehoben. Das vielfältige Engagement der Gemeindemitglieder, der sehr hohe Gottesdienstbesuch in den Pfarrkirchen, sind weitere Aspekte, die benannt werden. Die Tatsache, dass viele Gastgeber erst als Erwachsene getauft wurden, ist ebenfalls Thema. Das Verhältnis der unterschiedlichen Kulturen und Religionen in Singapur hat wohl jeden von uns beeindruckt. Aber es stellen sich auch Fragen: auffällig sind die für uns zum Teil recht traditionellen Frömmigkeitsformen, auch in den Kleinen Christlichen Gemeinschaften, und dies in einer hochmodernen Gesellschaft. Devotionalien stehen hoch im Kurs. Traditionelle Herz-Jesu-Bilder finden sich überall. Wie sind die Kleinen Christlichen Gemeinschaften in eine Pfarrei eingebunden, wie ist das Verhältnis zueinander? Was heißt denn nun Kirche in der Nachbarschaft zu sein? Fragen über Fragen… Nach zwei Stunden ist diese erste Runde beendet.

Da Allerheiligen ist, hat uns der Rektor des Priesterseminars zur Teilnahme am Gottesdienst eingeladen. Dieser Einladung folgen wir gern.

Wie sehr wir inzwischen den Rhythmus Singapurs angenommen haben und von den Eindrücken, Erlebnissen und Reflektionen gefangen sind, wird mir bewusst, als ich am gleichen Tag versucht habe, das Konradsblatt telefonisch zu erreichen. Mich wundert, dass ich niemanden erreiche. Bis mich ein Kollege darauf aufmerksam macht, dass in Deutschland natürlich Feiertag ist! Hätte ich ja eigentlich selber drauf kommen können.

Am Nachmittag schildern Arthur Goh und Daphne Leong vom Pastoralinstitut Singapurs ihre Eindrücke, die sie von den Präsentationen am Vormittag erhalten haben. Sie teilen unsere Einschätzungen, helfen uns jedoch auch, sie in einen Kontext einzubinden. Es ist für uns sehr hilfreich, historische Hintergründe zu erfahren, warum die Kirche in Singapur heute so ist, wie sie ist. Auch eine Einordnung in die politische Situation Singapurs ist sehr hilfreich. Das hilft uns sehr, viele Dinge besser zu verstehen. Wir sprechen von einer Kirche, die geprägt ist von europäischen Einflüssen aufgrund der Missionsgeschichte, die zugleich sehr genaue Grenzen durch den Staat Singapur aufgezeigt bekommen hat.

Wir verständigen uns schließlich auf Themen und Fragestellungen, die für unsere weiteren Reflexionen wichtig sind.