„Nice to meet you“

„Es freut mich, Sie kennen zu lernen“ – hallt es am Freitag morgen durch den Eingangsbereich des Gästehauses. Die Gastfamilien sind gekommen, um uns abzuholen. Der dreitägige Aufenthalt in Familien beginnt.

Nachdem schon alle Gastfamilien samt den Gästen aus Deutschland gegangen waren, kam schließlich auch meine Gastfamilie: Emily und Vicky. Sie entstammen indischen Familien aus Tamil Nadu. Ihre Großeltern kamen in den 40er Jahren auf der Suche nach Arbeit nach Singapur. Sowohl Emily als auch Vicky sind beides Ingenieure. Vicky arbeitet in einem großen Freizeitpark Singapurs, ist Leiter für die dortigen Verkehrsbetriebe und ist Chef von 35 Mitarbeitern. Emily arbeitet in einer Firma der Regierung, die zum Hochsicherheitsbereich gehört. Sie darf über ihre Arbeit nichts erzählen. Ihr Sohn, Studium der Luft- und Raumfahrttechnik, arbeitet ebenfalls in dieser Firma. Ihre Tochter arbeitet in einer Beratungseinrichtung für Menschen in Armut.

Vicky und Emily sind sichtlich stolz auf das, was sie erreicht haben. Sie leben heute im 14. Stockwerk eines Hochhauses, ihre Kinder haben eine gute Ausbildung erhalten und haben eine entsprechende Arbeit gefunden.

Als wir abfuhren, teilten Vicky und Emily mir mit, dass sie sich für diesen Tag frei genommen haben und es für sinnvoll halten, dass ich etwas von Singapur zu sehen bekomme. Und so haben sie mir als aller erstes verschiedene hinduistische, buddhistische und chinesische Tempel gezeigt. Singapur ist ein multiethnischer und multireligiöser Staat: 76,8% Chinesen, 13,9 % Malayen, 7,9% Inder; Die Religionszugehörigkeit stellt sich wie folgt dar:

Buddhisten 42,5%; Muslime 14,9%; Taoisten 8,5%, Hindus 4%, Christen 14,6% (Katholiken 174.000). Aus Sicht des Staates ist es oberstes Prinzip die Harmonie der Religionen und Ethnien aufrechtzuerhalten; jeglicher Verstoß gegen dieses Prinzip wird geahndet.

Zum Mittagessen haben sie mich eingeladen. Wir sind in den Bahnhof von Singapur gegangen. Dort, so berichtet mir Vicky, gäbe es das beste malayische Essen. Nachdem sie merkten, dass ich für alles offen bin, haben sie für mich das Essen ausgesucht. Es bereitete ihnen sichtlich Freude mir Köstlichkeiten aus der asiatischen Küche vorstellen zu können. Und es war auch wirklich lecker. Die Essensdüfte in den so genannte Food-Stores (Ein Nebeneinander unterschiedlichster Garküchen – immer ist zumindest eine chinesische, indische, malayische Küche vertreten) sind unbeschreiblich.

Anschließend ging es dann in ihre Wohnung, eine Eigentumswohnung im 14. Stockwerk. In Singapur zu leben bedeutet auf engstem Raum zu leben. Aufgrund dessen bekommt die Frage der Privatsphäre einen ganz besonderen Wert.

Am Abend schließlich gab es in der Wohnung der beiden Gastgeber ein besonderes Treffen. Hochqualifizierte junge Leute, die sich seit 7 Monaten in wöchentlichen Zusammenkünften auf ihre Taufe vorbereiten. Eine Anwältin, eine Psychologin, ein IT-Spezialist, ein Architektin, ein Versicherungsfachmann und ein Zeitsoldat. Emily leitet dieses Gruppe und bereitet sie auf die Taufe vor. Insgesamt dauert die Vorbereitung ein Jahr. Die Kirche in Singapur hat ausgefeilte Programme für die Arbeit mit Katechumenen. Die konkreten Gruppen werden von engagierten Laien geleitet.

Es war bewundernswert zu sehen, mit welchem Engagement und Eifer sich diese hochqualifizierten jungen Menschen auf die Taufe vorbereiten. Trotz aller Schwierigkeiten. Häufig führt die Frage der Konversion zu Konflikten innerhalb von Familien, die nicht akzeptieren, dass ihr Sohn, ihre Tochter katholisch werden wollen. Aber auch Freunde, Arbeitskollegen oder Nachbarn machen Witze über sie. Dieses Thema kommt im Laufe des Abends immer wieder aufs Neue zur Sprache. In ihrer Vorbereitungsgruppe suchen sie Unterstützung und Halt. Zugleich sind aus diesen Gruppen vor drei Jahren die ersten Kleinen Christlichen Gemeinschaften in der Pfarrei von Emily und Vicky entstanden. Der Wunsch, als Gruppe nach der Taufe weiterzubestehen, andere in diese Gruppe einzuladen und als Gemeinschaft weiter über den Glauben zu reflektieren, auf das Wort Gottes zu hören war die Hauptmotivation.

Spät in der Nacht fiel ich vor lauter Müdigkeit förmlich ins Bett.